8 52. Die Bedeutung der Veränderungen der Geldmenge. 411
die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, auf die Ausdehnung des Ge-
brauchs von Bankzahlungsmitteln oder auf den Umfang des Real-
umsatzes hat, und welche also die schließliche Wirkung auf das all-
gemeine Preisniveau sein wird, das sind alles Fragen, die sich überhaupt
nicht mit den Mitteln der Theorie behandeln lassen.
Wenn man sich eine Vorstellung von den unmittelbaren Wirkungen
einer Steigerung der Geldmenge, unter der Voraussetzung, daß keine
weiteren selbständigen Veränderungen mit hineinspielen, zu machen
sucht, liegt es nahe, anzunehmen, daß eine Herabsetzung der Umlaufs-
geschwindigkeit des Geldes, eine relative Vermehrung des Gebrauchs
von Bargeld im Verhältnis zum Gebrauch von Bankzahlungsmitteln und
eine Steigerung der Bargeldreserven der Banken, vielleicht auch eine
Belebung des Verkehrs eintreten werden. Dies sind aber alles Wir-
kungen, die auf eine Steigerung des Geldbedarfs hinauslaufen, die also
ein Gegengewicht zur Steigerung der Geldmenge bilden. Wird in dieser
Weise der Geldbedarf in demselben Maße wie die Geldmenge gesteigert,
so ist offenbar die Wirkung der Steigerung der Geldmenge vollständig
aufgewogen, und für die nach der Quantitätstheorie erwartete Wirkung
auf die Preise bleibt kein Platz übrig. Tritt nur eine kleinere Steige-
rung des Geldbedarfs ein, so ist wohl eine Preissteigerung zu erwarten,
aber nicht in dem Maße, wie es die einfache Quantitätstheorie er-
fordert. Die Gegner der Quantitätstheorie haben wiederholt auf die
Wirkungen dieser Art, die einer Vermehrung der Geldmenge folgen
müssen, hingewiesen und hervorgehoben, daß diese Wirkungen eine
zu große Bedeutung haben, um vernachlässigt werden zu können, und
daß sie in der Wirklichkeit die von der Quantitätstheorie behauptete
Wirkung einer Vermehrung der Geldmenge immer durchkreuzen
müssen. Daraus hat man den Schluß gezogen, die ganze Quantitäts-
theorie müsse als eine für jeden praktischen Zweck unanwendbare
theoretische Spekulation verworfen ‚werden. Die Verteidigung der
Quantitätstheorie gegen diese Angriffe ist meistens recht schwach
geführt worden. Auch Fisher, der mit solcher Kraft die Quantitäts-
theorie als eine selbstverständliche Wahrheit, an der ein Zweifel kaum
noch erlaubt ist, verkündet, ist nicht darüber hinausgekommen, die
in Frage stehenden Wirkungen einer Vermehrung der Geldmenge als
vorübergehende Störungen ohne größere Bedeutung darzustellen, und
obwohl er zur Stütze dieser Ansicht manche wertvolle Beobachtung
vorführt, ist er durch seine ganze Methode verhindert, auch nur zu
einer ungefähren Schätzung der Größe und der Dauer dieser Wirkungen
zu gelangen. Unter solchen Verhältnissen bleibt es zum mindesten
noch eine offene Frage, welcher Geltungsbereich der Quantitätstheorie
zukommt.
Offenbar liegt es außerhalb des Vermögens der Theorie, die jetzt
gedachten Wirkungen einer Steigerung der Geldmenge in quantitativen