Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 53. Messung des Preisniveaus durch Indexziffern. 413 
der Preise in ein und derselben Richtung, oder auch als eine Menge 
von Veränderungen der verschiedenen Preise relativ zueinander, ohne 
merkbare Verschiebung der Preise im allgemeinen in irgendeiner be- 
stimmten Richtung, hervortreten. Nur die erste Art der Preis- 
bewegungen fassen wir als eine Veränderung des Geldwerts auf, 
während natürlich auch bei unverändertem Geldwert Bewegungen der 
zweiten Art möglich sind. In der Wirklichkeit kommen nun wohl 
immer Bewegungen beider Arten gleichzeitig vor. Für jede Unter- 
suchung des Geldwerts, ist es aber notwendig, die beiden Bewegungs- 
arten voneinander zu scheiden und festzustellen, ob und in welchem 
Umfange eine allgemeine Verschiebung der Preise in einer bestimmten 
Richtung oder, um ein Bild von der Mechanik zu leihen, eine Ver- 
schiebung des Schwerpunkts der Preise stattgefunden hat. Dies ist 
die Aufgabe, die man durch Aufstellung von Indexziffern für das all- 
gemeine Preisniveau zu lösen sucht. 
Um einen Index für die genannten allgemeinen und einseitigen ‘Be- 
wegungen der Preise, also für das allgemeine Preisniveau, zu bilden, 
müssen wir zunächst, da bei einer solchen Berechnung selbstverständ- 
lich nicht alle Preise berücksichtigt werden können, eine Gruppe von 
repräsentativen Preisen auswählen. Dabei müssen wir uns auf typische 
Standardartikel, für welche eine praktisch unveränderliche Qualität fest- 
gestellt werden kann, beschränken. Detailpreise sind mit Rücksicht 
hierauf meistens weniger geeignet, unter anderem deshalb, weil die Ver- 
kaufsbedingungen sehr wechseln (Versendung der Waren, Kredit usw.). 
Nichtmaterielle Nützlichkeiten können in der Regel nicht mit in Be- 
tracht gezogen werden. Die Mieten z. B. bilden, auch wenn sie für die- 
selbe Wohnung bezahlt werden, den Preis für eine Nützlichkeit von sehr 
wechselndem zealen Inhalt, da die Gegend mehr oder weniger modern, 
zentral, bequem erreichbar usw. werden kann. * Arbeitslöhne dürfen 
nicht mitgenommen werden, da sie als der Anteil des Arbeiters am 
Gesamtertrag der volkswirtschaftlichen Produktion in einer aufsteigen- 
den Volkswirtschaft auch bei unveränderten Warenpreisen normal 
steigen. Es können somit wesentlich nur die Großhandelspreise der 
wichtigsten Materialien in Betracht kommen. 
Nachdem eine Gruppe von Standardwaren einmal ausgewählt ist, 
drücken wir die einzelnen Preise in Prozenten der Preise einer gewissen 
Ausgangslage aus, ersetzen also die absoluten Preise durch Preisindex- 
ziffern. Danach haben wir einen gewissen Dürchschnitt der so be- 
stimmten Preisindexziffern zu berechnen. Dieser Durchschnitt muß 
so gewählt werden, daß relative Veränderungen der Preise im Verhält- 
nis zueinander möglichst ohne Wirkung auf ihn bleiben, daß also die 
Veränderungen des Durchschnitts die einseitigen Preisbewegungen 
möglischt rein zum Ausdruck kommen lassen. Damit der Einfluß von 
Zufälligkeiten möglichst beschränkt wird, kann es wünschenswert sein,
	        
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