S 54. Preisniveau und relative Goldmenge. 79
beachten, daß die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung für eine
bestimmte Zunahme der Goldmenge Platz macht, und daß. diese
Steigerung also keine Ursache zu Veränderungen des allgemeinen
Preisniveaus sein kann. Um die Wirkungen der Veränderungen der
Goldmenge auf das allgemeine Preisniveau kennenzulernen, müssen wir
also zuerst wissen, welche Steigerung der Goldmenge die allgemeine
irtschaftliche Entwicklung in der betreffenden Periode erfordert hat.
Es ist natürlich für diesen Zweck vorteilhaft, wenn wir die zu be-
trachtende Periode so wählen können, daß das allgemeine Preisniveau
am Anfang und am Ende der Periode auf derselben Höhe steht. Denn
dann ist offenbar die Steigerung der Goldmenge zwischen Anfang und
Ende der Periode ohne Einfluß auf das allgemeine Preisniveau ge-
blieben, und die Zunahme entspricht also nur der für die allgemeine
irtschaftliche Entwicklung erforderlichen Steigerung der Goldmenge.
‚Diese Bedingungen werden, wie wir im vorigen Paragraphen ge-
funden haben, von der Periode 1850—1910 in sehr glücklicher Weise
erfüllt. Das allgemeine Preisniveau ist 1910, praktisch genommen,
dasselbe gewesen wie 1850. Wir können hieraus schließen, daß die
Steigerung der Goldmenge zwischen 1850 und 1910 notwendig und
hinreichend war, um bei der vor sich gegangenen wirtschaftlichen Ent-
wicklung das Preisniveau im Jahre 1910 auf der Höhe des Jahres 1850
zu halten. Die genannte Steigerung entsprach, wie wir vorhin fanden,
einer durchschnittlichen Steigerung pro Jahr während der ganzen Periode
on rund 2,8 Prozent. Wäre nun die Goldmenge der Welt auch für jedes
ahr der ganzen Periode genau um diese 2,8 Prozent gewachsen, so
könnte offenbar niemand auf den Gedanken kommen, etwaige Ver-
änderungen des allgemeinen Preisniveaus Veränderungen der Gold-
menge zuzuschreiben. Man hätte dann eine absolut gleichförmige
Steigerung der Goldmenge der Welt gehabt, und diese Steigerung wäre
eben hinreichend gewesen, um das allgemeine Preisniveau am Ende der
Periode auf der Ausgangshöhe zu erhalten. Man würde dann weder
behaupten können, daß die Steigerung der Goldmenge im ganzen
zu stark gewesen wäre, noch daß sie durch Unregelmäßigkeiten Ver-
änderungen des allgemeinen Preisniveaus veranlaßt hätte. Eine solche
gleichförmige Steigerung der Goldmenge, die nach einer gewissen
Periode das allgemeine Preisniveau unverändert läßt, wollen wir eine
für die betreffende Periode normale Steigerung nennen und die Gold-
menge, die unter Voraussetzung einer normalen Steigerung zu einem
beliebigen Zeitpunkt vorhanden gewesen wäre, die für diese Periode
normale Goldmenge. Für die Periode 1850—1910 erhält man also
die normale Goldmenge, wenn man von der Anfangsmenge von 10 Mil-
liarden Mark ausgeht und mit einer gleichförmigen jährlichen Steige-
rung von 2,8 Prozent rechnet. In dieser Weise sind die Ziffern für die
oma Goldmenge in der Tabelle 2 im Anhang berechnet. (Man
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