Full text: Theoretische Sozialökonomie

420 Kap. XI. Der Geldwert. 
bekommt die Ziffer eines‘ Jahres durch Multiplizierung der Ziffer des 
vorigen Jahres mit V/5,2 = 1,0279.) 
Die so berechnete normale Goldmenge für die Periode 1850—1910 
ist auf unserem Diagramm (Fig. 2) durch die vollzogene Linie be- 
zeichnet. Die Berechnung ist nach derselben Formel bis zum Jahre 1800 
zurückgeführt und die Kurve auf dem Diagramm entsprechend fort- 
gesetzt. 
Es folgt aus dem bisher Gesagten, daß, soweit die Veränderungen 
des allgemeinen Preisniveaus in der Periode 1850—1910 überhaupt auf 
Veränderungen der Goldmenge zurückgeführt werden dürfen, sie auSs- 
schließlich auf Abweichungen der faktischen Goldmenge von der 
normalen bezogen werden können. Hätten keine solchen Abweichungen 
stattgefunden, so würde man, wie schon hervorgehoben, keine Ver- 
anlassung haben, etwaige Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus 
Schwankungen der Goldversorgung zuzuschreiben. Es soll nicht ver- 
hehlt werden, daß diese Frage gewissermaßen eine Definitionsfrage ist. 
Man kann immer sagen, daß Veränderungen im allgemeinen Preis- 
niveau, wenigstens im großen; nicht vorzukommen gebraucht hätten, 
wenn nur die Goldmenge auf einer angemessenen Höhe gehalten worden 
wäre. In dieser Weise könnte man jede Veränderung des allgemeinen 
Preisniveaus auf die Goldversorgung zurückführen. Eine solche Aus- 
legung des Begriffs der Ursache würde aber niemanden befriedigen. 
Wenn andere Faktoren eine Wirkung auf das allgemeine Preisniveau 
ausüben und zusammen mit der Goldversorgung dasselbe bestimmen, 
so betrachtet man Veränderungen dieser Faktoren als selbständige 
Ursachen von Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus, auch wenn 
ihre Wirkung durch entgegengesetzte Veränderungen der Goldmenge 
ausgeglichen werden kann. Wünscht man also, jedem, der. verschlie- 
denen Faktoren einen bestimmten Anteil an den Veränderungen des 
allgemeinen Preisniveaus zuzurechnen, so ist dies nur dadurch möglich, 
daß man für jeden Faktor eine bestimmte Entwicklung während der 
betreffenden Periode als normal bezeichnet, wobei natürlich zu be- 
achten ist, daß das allgemeine Preisniveau unverändert bleiben muß, 
solange sämtliche Faktoren normal bleiben. Diese Bestimmung der 
Normalentwicklung ist es, die hier als eine Definitionsfrage bezeichnet 
wurde. Für die Entwicklung der Goldmenge dürfte es aber schwierig 
sein, eine Bestimmung des Normalen zu treffen, die natürlicher wäre 
als die hier getroffene. 
Wenn wir uns also darüber einigen, eine Steigerung der Gold- 
menge in der Periode 1850—1910 mit 2,8 Prozent jährlich als normal 
in dem jetzt angegebenen Sinne zu betrachten, so müssen wir folge- 
richtig jede Abweichung der faktischen Goldmenge von der normalen 
pro tanto als Ursache einer Veränderung des allgemeinen Preisniveaus 
RN 
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