$ 54. Preisniveau und relative Goldmenge. 21
auffassen, Auf unserem Diagramm treten diese Abweichungen der
aktischen Goldmenge von der normalen deutlich zutage. Von 1850
is 1887 ist die faktische Goldmenge größer als die normale, von 1887
bis 1910 ist sie kleiner. In der ersten Periode darf man also eine
Steigerung des allgemeinen Preisniveaus über das Normalniveau, in der
zweiten Periode eine Senkung unter das Normalniveau erwarten.”
Um die Abweichungen der faktischen Goldmenge von der normalen
direkt mit der Entwicklung des allgemeinen Preisniveaus vergleichen
zu können, stellen wir die faktische Goldmenge in Prozenten der nor-
alen dar. Die Quote zwischen der faktischen und der normalen Gold-
menge, die wir als „relative Goldmenge‘“ bezeichnen, ist in der
abelle 2 im Anhang ziffernmäßig angegeben und auf unserem Dia-
gramm (Fig. 2) durch die Linie — — — dargestellt. Diese relative
oldmenge steigt, wie man findet, um die Mitte der sechziger Jahre auf
ein Maximum von 1,18, also 18 Prozent über das Normalniveau und
ällt in den Jahren 1896 und 1897 auf ein Minimum von 0,92, also
8 Prozent unter das Normalniveau.
Um eine ungefähre Vorstellung von der Goldversorgung vor 1850
zu gewinnen, habe ich die relative Goldmenge auch für die erste Hälfte
des neunzehnten Jahrhunderts berechnet und auf dem Diagramm dar-
gestellt. Es ist indessen zu beachten, daß die Ziffern für diese frühere
Periode nicht denselben Wert haben wie die Ziffernfür die spätere Zeit, da
die normale Goldmenge streng genommen nur für diese Zeit definiert ist.
Stellen wir jetzt unsere Kurven für die relative Goldmenge und für
das allgemeine Preisniveau auf ein besonderes Diagramm (Fig. 3)=zu-
sammen. Ein Blick auf das Diagramm genügt, um die allgemeine
Jbereinstimmung zwischen dem allgemeinen Preisniveau und der re-
lativen Goldmenge zu erkennen. Es ist aber auffallend, daß das all-
gemeine Preisniveau Variationen von zwei verschiedenen Arten unter-
liegt, daß man zwischen „sekulären‘‘ und „Jährlichen‘‘ Variationen des
allgemeinen Preisniveaus unterscheiden muß. Die sekulären Varia-
tionen schließen sich im ganzen den gleichzeitigen Variationen der
relativen Goldmenge an, obwohl das sekuläre Preisniveau in der Periode
850—1880 offenbar etwas höher und um 1890 vielleicht etwas tiefer
liegt, als es nach der relativen Goldmenge tun sollte. Unsere Zu-
sammenstellung genügt jedenfalls, um zu beweisen, daß für die hier
betrachtete Periode 1850—1910 die wesentliche Ursache der
sekulären Variationen des allgemeinen Preisniveaus in
den Veränderungen der relativen Goldmenge liegt, und daß
die Quantitätstheorie insofern richtig ist, als das allgemeine Preis-
niveau, obwohl es außerdem noch von anderen Faktoren beeinflußt
ird, der relativen Goldmenge direkt proportional ist.
Dieser wahre Zusammenhang konnte nicht erkannt werden, solange man
sich beim Vergleich des allgemeinen Preisniveaus mit der Goldver-
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