Full text: Theoretische Sozialökonomie

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gemeinen Redensarten begnügt, indem man die Goldproduktion als 
„Zu klein‘ oder auch als „ganz gewaltig‘, „enorm“ usw. bezeichnet, 
oft sogar mit der Größe der absoluten Ziffer auf den Leser einen im- 
ponierenden Eindruck zu machen sucht. 
So lange der Goldbedarf der Welt bei unverändertem Preisniveau 
mit 2,8 Prozent pro Jahr wächst, muß die jährliche Goldproduktion, 
damit das Preisniveau unverändert bleiben soll, 3 Prozent der steigenden 
Goldmenge ausmachen und also ebenfalls mit 2,8 Prozent jährlich 
achsen. Dies zeigt, daß eine in einem gewissen Augenblicke gegebene 
Goldproduktion, wenn sie konstant bleibt, einmal in der Zukunft un- 
zulänglich werden muß, auch wenn sie augenblicklich den Bedarf über- 
rifft. Dieser Umstand, daß die erforderliche Goldproduktion ständig 
ächst, ist für die Beurteilung der künftigen Goldversorgung sehr wichtig. 
enn nicht unerwartet große Möglichkeiten für eine gesteigerte Gold- 
produktion sich eröffnen, muß die Welt bei fortgesetztem wirtschaft- 
lichem Fortschritt vor eine Goldknappheit gestellt werden, die die Auf- 
rechterhaltung eines einmal gegebenen Preisniveaus unmöglich machen 
ird. 
Wenn für die Unveränderlichkeit des allgemeinen Preisniveaus eine 
oldproduktion von 3 Prozent der jeweiligen faktischen Goldmenge 
rforderlich ist, so bedeutet dies, daß die faktische Goldmenge bei kon- 
stantem Preisniveau 33mal so groß wie die Jahresproduktion von Gold 
sein muß. In der Literatur findet man sehr allgemein den Satz wieder- 
holt, daß das allgemeine Preisniveau bei Goldwährung dadurch ziemlich 
stabil gehalten wird, daß die durch Jahrhunderte gesammelte Goldmenge 
auf einen Betrag gewachsen ist, der im Verhältnis zur Jahresproduktion 
enorm ist, oder mit anderen Worten, daß die Jahresproduktion im Ver- 
hältnis zur angesammelten Goldmenge unbedeutend ist. Solche Äuße- 
rungen sind ebenso oberflächlich wie irreführend. In der Wirklichkeit 
erfordert eine Stabilisierung des allgemeinen Preisniveaus, wie wir 
jetzt erkennen, keineswegs, daß die Goldmenge im Verhältnis zur Jahres- 
produktion „enorm“‘ ist, sondern schlechthin, daß sie 33mal so groß ist, 
eder mehr noch weniger. 
) Die großen Umwälzungen auf dem Gebiete des Geldwesens, die 
/ährend des Krieges und noch mehr nach dem Kriege stattgefunden 
aben, haben die Kontinuität in der Entwicklung des Goldbedarfs 
er Welt vollständig abgebrochen. Infolge der Konkurrenz der papier- 
1en Zahlungsmittel und besonders infolge der Einziehung der zirku- 
jerenden Goldmünzen in Europa, ist ein Überfluß an Gold entstanden, 
er das allgemeine Preisniveau auf rund 150 in Verhältnis zu 100 vor dem 
riege gesteigert hat. Tatsächlich war der Goldüberfluß so groß, daß 
eine noch stärkere Preissteigerung hätte stattfinden müssen, wenn nicht 
die Vereinigten Staaten einen Teil des Goldüberflusses als Reserve 
für die Zukunft behalten hätten, indem das Federal Reserve System 
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