Full text : Theoretische Sozialökonomie

8 55. Preisniveau und Produktionskosten des Goldes. 429
Angebot gleich der Nachfrage sein, also die Goldmenge in demselben
Tempo wie die Goldnachfrage bei unverändertem Preisniveau wachsen,
und durch diese Bedingung ist das allgemeine Preisniveau bestimmt.
Wir sind nunmehr in der Lage, den Einfluß der Produktionsverhältnisse
 auf das allgemeine Preisniveau genau anzugeben und für
die vor dem Kriege herrschenden Verhältnisse ziffernmäßig festzustellen.
Liegen die Produktionsmöglichkeiten so, daß bei dem geltenden Preisniveau
 die Goldproduktion eine solche Ausdehnung erhält, daß sie 3 Prozent
 der jeweilig vorhandenen Goldmenge entspricht, dann herrscht
Gleichgewicht, und das allgemeine Preisniveau bleibt, soweit es auf die
Goldversorgung ankommt, unverändert. Sind aber die Produktionsmöglichkeiten
 so reich, daß die Goldproduktion beim geltenden Preisniveau
 3 Prozent der jeweiligen Goldmenge übersteigt, dann steigt
das allgemeine Preisniveau, und zwar mit einem Prozentsatz, der dem
Überschuß entspricht, mit dem die Quote zwischen Goldproduktion
und Goldmenge 3 Prozent übersteigt. Umgekehrt fällt das allgemeine
Preisniveau, wenn die Produktionsmöglichkeiten bei dem geltenden
Preisniveau eine Goldproduktion von 3 Prozent der Goldmenge nicht
erlauben. In einem Zustand, wo der Normalzuwachs der Goldmenge
vom hier angenommenen Satz von 2,8 Prozent abweicht, ist nur die
Ziffer 3 Prozent für die normale Goldproduktion entsprechend zu
ändern.
Die Einwirkung der Goldproduktion auf das allgemeine Preisniveau
 beruht also auf der Quantität Gold, die beim geltenden
Preisniveau. produziert ‚werden. :kann,.;nicht:.auf, den. .,Produktionskosten*,
 die begrifflich völlig unbestimmt sind.
Die Goldquantität, die beim jeweiligen Preisniveau produziert
werden kann, ist natürlich abhängig vom Preisniveau, und zwar steigt
sie, wenn das Preisniveau fällt, und umgekehrt. Da eine Steigerung
der Goldproduktion in der Richtung einer Steigerung des allgemeinen
Preisniveaus wirkt, und umgekehrt, dient also die Goldproduktion in
einem gewissen Grade als Regulator des allgemeinen Preisniveaus.
Dieser Regulator wird offenbar desto effektiver, je stärker die Abhängigkeit
 der Goldproduktion vom allgemeinen Preisniveau ist. Die
Stärke dieser Abhängigkeit wird gemessen an der jeweiligen Steigerung
der Goldproduktion, die als Folge einer bestimmten Senkung des
Preisniveaus eintritt. Denkt man sich z. B., daß eine Senkung des
Preisniveaus um 1 Prozent eine Steigerung der Goldproduktion um 2,
3 oder 5 Prozent hervorrufen würde, so kann man diese Zahlen als ein
Maß der Stärke der Abhängigkeit der Goldproduktion vom Preisniveau
oder, wie wir uns ausdrücken wollen, der Elastizität der Goldproduktion
betrachten. Die Elastizität der Goldproduktion ist also die Quote
zwischen einer durch eine kleine Veränderung des Preisniveaus hervorgebrachten
 Veränderung der Goldproduktion und der gedachten Ver-
            
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