Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 57. Preisniveau und Nachfrage nach Gold. 7 
leicht etwas schneller, wie die Goldmenge der Welt gewachsen ist. Die 
gleichzeitige Entwicklung der gesamten Zahlungsleistung des Landes 
dürfte ungefähr dieselbe gewesen sein. Wohl ist anzunehmen, daß die 
Zirkulation von anderen Zahlungsmitteln etwas langsamer gewachsen 
ist, da aber die Scheckzahlungen in der ganzen Periode sicher stark 
überwiegen, dürfte dieses Verhältnis wenig auf die Entwicklung der 
gesamten Zahlungsleistung einwirken. 
Wir sind aber jetzt in der Lage, eine ungefähre Vorstellung von der 
durchschnittlichen Steigerung des Realumsatzes Englands und damit 
wohl auch vom Tempo der gesamten ökonomischen Entwicklung des 
Landes in der betreffenden Periode zu gewinnen. Dafür ist nur not- 
wendig, daß die gefundene Steigerung der Zahlungsleistung auf ein 
konstantes Preisniveau reduziert wird, was leicht geschehen kann, da 
wir wissen, daß das sekuläre Preisniveau am Anfang der Periode etwa 
30 Prozent über unserem Normalniveau ($ 54) stand, am Ende der- 
selben aber mit dem Normalniveau zusammenfiel. Die durchschnitt- 
liche jährliche Steigerung des Realumsatzes Englands während der 
Periode 1870—1910 berechnet sich nach diesen Grundsätzen auf 3,05 
Prozent. Dabei ist die Steigerung der absoluten Goldmenge zugrunde 
gelegt. Berücksichtigt man, daß die Steigerung der Zahlungsleistung 
etwas stärker gewesen ist, so kommt man zu einer Ziffer, die vielleicht 
ein oder zwei Zehntel Prozent höher liegt. Diese Ziffer stimmt sehr 
genau mit unserer allgemeinen Schätzung der ökonomischen Entwick- 
lungsgeschwindigkeit der westlichen Welt (8 6). 
Für die Vereinigten Staaten ist die Entwicklung ohne Zweifel 
wesentlich stärker gewesen, läßt sich aber, dank den wechselnden 
Währungsverhältnissen kaum in derselben Weise ziffernmäßig schätzen. 
Gewisse andere Länder haben wieder sicher eine langsamere Ent- 
wicklung gehabt. Es ist vielleicht berechtigt, die Entwicklung Englands 
in der betreffenden Periode als einen ungefähren Durchschnitt für die 
ganze Welt zu betrachten. 
8 57. Preisniveau und Nachfrage nach Gold. 
Steht es nun fest, daß die jährlichen Variationen des allgemeinen 
Preisniveaus durch die wirtschaftlichen Konjunkturen und die Elasti- 
zität, die die Banken der Zahlungsmittelversorgung geben, erklärt 
werden müssen, so können wir unsere Betrachtungen ausschließlich 
auf die sekulären Variationen des allgemeinen Preisniveaus beschränken. 
Die allgemeine Übereinstimmung zwischen diesen Variationen und den 
entsprechenden Variationen der relativen Goldmenge, die wir im 8 54 
festgestellt haben, ist zunächst als eine reine Tatsache zu betrachten. 
Wenn wir aber nach der allgemeinen Quantitätstheorie, wie wir sie im 
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