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leicht etwas schneller, wie die Goldmenge der Welt gewachsen ist. Die
gleichzeitige Entwicklung der gesamten Zahlungsleistung des Landes
dürfte ungefähr dieselbe gewesen sein. Wohl ist anzunehmen, daß die
Zirkulation von anderen Zahlungsmitteln etwas langsamer gewachsen
ist, da aber die Scheckzahlungen in der ganzen Periode sicher stark
überwiegen, dürfte dieses Verhältnis wenig auf die Entwicklung der
gesamten Zahlungsleistung einwirken.
Wir sind aber jetzt in der Lage, eine ungefähre Vorstellung von der
durchschnittlichen Steigerung des Realumsatzes Englands und damit
wohl auch vom Tempo der gesamten ökonomischen Entwicklung des
Landes in der betreffenden Periode zu gewinnen. Dafür ist nur not-
wendig, daß die gefundene Steigerung der Zahlungsleistung auf ein
konstantes Preisniveau reduziert wird, was leicht geschehen kann, da
wir wissen, daß das sekuläre Preisniveau am Anfang der Periode etwa
30 Prozent über unserem Normalniveau ($ 54) stand, am Ende der-
selben aber mit dem Normalniveau zusammenfiel. Die durchschnitt-
liche jährliche Steigerung des Realumsatzes Englands während der
Periode 1870—1910 berechnet sich nach diesen Grundsätzen auf 3,05
Prozent. Dabei ist die Steigerung der absoluten Goldmenge zugrunde
gelegt. Berücksichtigt man, daß die Steigerung der Zahlungsleistung
etwas stärker gewesen ist, so kommt man zu einer Ziffer, die vielleicht
ein oder zwei Zehntel Prozent höher liegt. Diese Ziffer stimmt sehr
genau mit unserer allgemeinen Schätzung der ökonomischen Entwick-
lungsgeschwindigkeit der westlichen Welt (8 6).
Für die Vereinigten Staaten ist die Entwicklung ohne Zweifel
wesentlich stärker gewesen, läßt sich aber, dank den wechselnden
Währungsverhältnissen kaum in derselben Weise ziffernmäßig schätzen.
Gewisse andere Länder haben wieder sicher eine langsamere Ent-
wicklung gehabt. Es ist vielleicht berechtigt, die Entwicklung Englands
in der betreffenden Periode als einen ungefähren Durchschnitt für die
ganze Welt zu betrachten.
8 57. Preisniveau und Nachfrage nach Gold.
Steht es nun fest, daß die jährlichen Variationen des allgemeinen
Preisniveaus durch die wirtschaftlichen Konjunkturen und die Elasti-
zität, die die Banken der Zahlungsmittelversorgung geben, erklärt
werden müssen, so können wir unsere Betrachtungen ausschließlich
auf die sekulären Variationen des allgemeinen Preisniveaus beschränken.
Die allgemeine Übereinstimmung zwischen diesen Variationen und den
entsprechenden Variationen der relativen Goldmenge, die wir im 8 54
festgestellt haben, ist zunächst als eine reine Tatsache zu betrachten.
Wenn wir aber nach der allgemeinen Quantitätstheorie, wie wir sie im
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