$ 57. Preisniveau und Nachfrage nach Gold. 7
beachtet, daß ein Übergang zur Goldwährung lange nicht eine so heftige
Steigerung des Goldbedarfs, wie man vielleicht anzunehmen geneigt
wäre, bedeutet. Oft hat Gold schon vorher, sei es infolge einer Doppel-
währung, sei es als Handelsmünze, in beträchtlichem Umfange in
der Volkswirtschaft zirkuliert, oder es wurde vom Staat oder einer
Zentralbank in einer großen Reserve jahrelang vorher angesammelt, in
anderen Fällen ist die Goldwährung nicht gleich in voller Strenge
durchgeführt worden, oder man hat auf eine effektive Goldzirkulation
verzichtet. Unter solchen Umständen kann sich die Goldnachfrage
infolge eines Währungswechsels über ziemlich lange Perioden ver-
teilen. Die Bank von Frankreich hat z. B. noch in der neuesten Zeit
(vor dem Kriege) das Verhältnis zwischen Gold und Silber in ihrer
metallischen Kasse allmählich verbessert und für diesen Zweck Gold
angekauft. Immerhin bedeutet natürlich ein Übergang zur Gold-
währung gewissermaßen eine außerordentliche Steigerung des Gold-
bedarfs des betreffenden Landes, was aber auf den gesamten Welt-
bedarf keine merkbare Wirkung auszuüben braucht, wenn nur andere
Länder inzwischen ihre Goldnachfrage entsprechend einschränken. Für
die einzelnen Länder ist die Steigerung des Goldbedarfs sicher keines-
wegs so gleichmäßig gewesen wie für die gesamte Welt. Ein Land
kann sich z. B. eine Zeit mit einer relativ kleinen Zufuhr von neuem
Gold begnügen, wenn dafür die Zahlungen mit Bankzahlungsmitteln
entsprechend kräftiger entwickelt werden. Solche Verhältnisse zeigen,
wie Vollständig aussichtslos es sein muß, Veränderungen des allge-
meinen Preisniveaus auf die Goldmenge eines einzelnen Landes zu-
rückzuführen.” Der durch Währungs- und Bankpolitik und ähnliche
Faktoren bestimmte Goldbedarf des einzelnen Landes wirkt gewiß als
Komponente mit in der Wertbestimmung des Goldes auf dem Welt-
markt, aber erst der Gesamtbedarf der ganzen Welt bestimmt, in
Verbindung mit dem Gesamtangebot, den Geldwert, d, h, das all-
gemeine Preisniveau.
Es liegt nahe, anzunehmen, daß Perioden mit besonders reicher
Goldproduktion den Übergang zur Goldwährung und Goldzirkulation
besonders beschleunigt haben, und daß dadurch der Platz für das
neue Gold bereitet wurde. Dies ist aber in der von uns betrachteten
Periode nicht der Fall gewesen. Die Goldnachfrage hat keine solche
Elastizität, die eine Preissteigerung wenigstens teilweise verhindert
haben würde, aufgewiesen. Im Gegenteil, in den beiden Perioden be-
sonders gesteigerter Goldproduktion, der Kalifornisch-Australischen
von 1850 an und der Transvaalsehen von Mitte der neunziger Jahre
an, ist die Preissteigerung, wie unser Diagramm (Fig. 3) zeigt, deutlich
stärker als nach der Steigerung der relativen Goldmenge anzunehmen
wäre, Auch wenn unser statistisches Material mit verhältnismäßig sehr
großen Fehlern behaftet wäre, würde dieses Ergebnis, wie man sich
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