Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. XI. ‘ Der. Geldwert. 
leicht überzeugt, feststehen. Die ganze extraordinäre Steigerung der 
Goldproduktion ist also in beiden Fällen von der Preissteigerung in 
Anspruch genommen. Die Goldnachfrage ist auch in diesen Periode 
höchstens mit ihrem normalen Prozentsatze von 2,8, eher langsamer, 
gewachsen. ‚Eben weil die außerordentlich gesteigerte Goldproduktion 
von dieser Nachfrage bei unverändertem Preisniveau nicht aufgenommen 
werden konnte, mußten die Preise in die Höhe getrieben werden. 
Die Tatsache, daß das sekuläre Preisniveau: in den fünfziger und 
sechziger Jahren über, in den neunziger Jahren unter der relativen 
Goldmenge gelegen hat, deutet indessen darauf, daß in der im all- 
gemeinen gleichförmigen Entwicklung der Goldnachfrage doch auch 
gewisse sekuläre Verschiebungen vorgekommen sind. Das Verhältnis 
kann nämlich nicht gut in anderer Weise erklärt werden, als dadurch, 
daß die Goldnachfrage vor 1870 etwas schwächer, später etwas stärke 
als normal gewachsen ist. Eine solche Annahme scheint sehr natürlich 
mit Hinsicht auf die großen Umwälzungen auf dem währungspolitischen 
Gebiete, die eben die siebziger Jahre auszeichnen. Meistens ist man, 
besonders natürlich von bimetallistischer Seite, geneigt gewesen, diese 
gesteigerten Goldnachfrage eine etwas übertriebene Bedeutung für 
die Preisbildung zuzuschreibefi. Wahrscheinlich ist der Übergan 
zur Goldwährung, die gewisse europäische Länder in den Siebziger 
Jahren unternommen haben, doch so allmählich durchgeführt worden 
daß derselbe an und für sich keinen wesentlichen Einfluß auf das all- 
gemeine Preisniveau hat ausüben können. Der spätere Übergan 
Rußlands und Österreich-Ungarns zur Goldwährung hat, wie schon 
hervorgehoben keine Spur eines Druckes auf das allgemeine Preis- 
niveau erkennen lassen. 
Wenn auch die europäischen Währungsreformen der siebziger Jahre 
einen gewissen kleineren Anteil an dem darauffolgenden Rückgan 
des allgemeinen Preisniveaus haben mögen, so ist jedoch wahrschein- 
lich ein anderer Umstand in erster Linie für diesen Rückgang, in- 
sofern er nicht von dem gleichzeitigen Sinken der relativen Goldmenge 
veranlaßt wurde, verantwortlich zu machen. ‚Dieser Umstand ist die 
enorme Steigerung der Goldnachfrage der Vereinigten Staaten am Ende 
der siebziger und am Anfang der achtziger Jahre, veranlaßt durch die 
Vorbereitung und Durchführung der Wiederaufnahme der Barzahlungen. 
Die Papiervaluta des Bürgerkrieges wurde von 1879 an als einlösbar 
erklärt. In der Zeit von der Mitte des Jahres 1875 bis Ende 1887 hat 
sich der monetäre Goldvorrat der Vereinigten Staaten von 89 Millione 
ollars auf 650 Millionen Dollars gesteigert, was reichlich einer Ver- 
siebenfachung in 124, Jahren entspricht. Besonders stark war der 
Zuwachs von der Mitte 1876 bis Ende 1881, nämlich von 99 au 
85 Millionen Dollars, also beinahe eine Verfünffachung in 5%, Jahren. 
iese Ansprüche wurden gestellt in einer Zeit, wo schon ohnehin die 
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