$ 58. Die Regulierung des Preisniveaus durch den Bankzins. 443
über die Welt verteilt wird. Zunächst wird es dann, sofern es nicht
von der Industrie oder von orientalischen Märkten in Anspruch genommen
wird, meistens von den großen Zentralbanken und den Goldkassen
verschiedener Staaten übernommen. Da wird es vielleicht
bis auf weiteres liegen, ohne irgendeinen unmittelbaren Einfluß auf das
allgemeine Preisniveau auszuüben.
Nun wissen wir (Kap. X), daß in einem Lande mit Goldwährung
die Quantität sämtlicher dem Verkehr zur Verfügung stehenden
Zahlungsmittel immer in einem gewissen, wenn auch sehr elastischen
Verhältnis zu den Goldreserven der Banken steht. Da in diesem Verhältnis
ziemlich große Schwankungen stattfinden können, braucht
eine Vergrößerung der Goldreserve keine unmittelbare Wirkung auf
das allgemeine Preisniveau auszuüben. Es gibt aber keinen ersichtlichen
Grund, warum eine Steigerung der Goldvorräte in dem durchschnittlichen
Verhältnis zwischen Zahlungsmitteln und Bankreserven
eine dauernde Veränderung hervorrufen sollte. Vielmehr steht zu erwarten,
daß die reichlichere Goldversorgung allmählich auch eine
entsprechende Erweiterung der Zahlungsmittelversorgung des Verkehrs
veranlaßt. Man wird es demnach sehr natürlich finden, daß die
Goldversorgung die sekulären Variationen der Kurve des allgemeinen
Preisniveaus vollständig beherrscht.
Die Goldversorgung wirkt also auf das allgemeine Preisniveau in
der Hauptsache nur dadurch, daß sie die Banken in ihrer Regulierung
der Zahlungsmittelversorgung beeinflußt. Wenn diese Zahlungsmittelversorgung
im Verhältnis zu den vorhandenen Goldreserven auf das
äußerste angespannt ist, wie dies in den Hochkonjunkturen der Fall
zu sein pflegt, dann macht sich die Knappheit des Goldes effektiv fühlbar
und setzt eine Grenze für die weitere Befriedigung des Zahlungsmittelbedarfs
und damit für die Preissteigerung. Hat sich in den
früheren Jahren besonders viel Gold angesammelt, so wird die Befriedigung
des Zahlungsmittelbedarfes weiter als sonst möglich, der
Höhepunkt des allgemeinen Preisniveaus wird etwas höher als sonst
liegen. War dagegen die Goldversorgung der vorhergehenden Jahre besonders
knapp, so muß der Höhepunkt des Preisniveaus in der Hochkonjunktur
etwas tiefer liegen, als bei einer normalen Goldversorgung
der Fall gewesen wäre. Obwohl also die Goldversorgung hauptsächlich
in den Hochkonjunkturen eine effektive Wirkung auf die Preisbildung
ausübt, ist sie selbstverständlich in den anderen Phasen der volkswirtschaftlichen
Bewegung nicht ganz ohne Einfluß auf die Preise,
denn auch dann lassen sich wohl die Banken bis zu einem gewissen
Grade von der Reichlichkeit der Goldversorgung in ihrer Regulierung
der Zahlungsmittelversorgung beeinflussen.
Da also die Goldversorgung nur mittels der Bankpolitik auf die
sekulären Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus einwirkt und