Kap. I. Die Wirtschaft im allgemeinen,|
Opfer, das in einer Beschränkung der sonst möglichen Bedürfnis-
befriedigung oder in einer Steigerung der persönlichen Leistungen über
das für die gegenwärtige Bedürfnisbefriedigung nötige Maß hinaus
hervortritt. Eine solche Beschränkung der Bedürfnisbefriedigung, durch
welche eine Produktion von Realkapital zur Vermehrung des schon
vorhandenen Vorrats von Realkapital ermöglicht wird, nennt man
Sparen. Die Vermehrung des Realkapitals, für welche durch das
Sparen Produktivkräfte freigestellt werden, nennt man Kapital-
bildung in konkretem Sinne.
Die Notwendigkeit eines Sparens und einer Kapitalbildung ist, wie
überhaupt alle in diesem Kapitel behandelten Tatsachen und Vorgänge,
von der Organisationsform der Wirtschaft vollständig unabhängig, be-
steht also für jede fortschreitende Wirtschaft. In der geschlossenen
Bauernwirtschaft z. B. ist der Fortschritt nur dann möglich, wenn per-
sönliche Arbeitskräfte und andere Produktionsmittel, wie z. B. Pferde,
der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung entzogen und zur Vermehrung
des Realkapitals, z. B. zum Bau von neuen Gebäuden oder zum Roden
neuen Landes verwendet werden. Die Bedingung des Fortschritts ist
also eine Beschränkung der sonst möglichen Bedürfnisbefriedigung bzw.
eine Anstrengung über das für die tatsächliche Bedürfnisbefriedigung
nötige Maß hinaus, also ein Sparen und eine Verwendung der so frei-
gestellten Produktivkräfte zur Produktion von Realkapital, also eine
Kapitalbildung im konkreten Sinne. Die Vorgänge sind hier wesentlich
dieselben wie die entsprechenden Vorgänge in einer modernen, ein
ganzes Land oder die ganze Welt umfassenden Wirtschaft.
Nun kann man sagen, daß auch in der stationären Wirtschaft ein
gewisses Opfer gebracht werden muß, um ein genügendes Maß von
Produktivkräften der fortdauernden Erhaltung des Realkapitals in
unveränderter Menge und Zusammensetzung zu widmen. Könnte man
sich von dieser Aufgabe befreien, würde man ohne Zweifel für den
Augenblick Produktivkräfte für eine augenblickliche Erhöhung der
Bedürfnisbefriedigung freistellen können. So handelt z. B. der Bauer,
der wegen der laufenden Lebensmittelversorgung seiner Wirtschaft keine
Zeit findet, seine Gebäude zu unterhalten. So haben auch im Welt-
kriege die kriegführenden Staaten gehandelt: durch Versäumnis des
laufenden Unterhalts des festen Realkapitals (Gebäude, Eisenbahnen,
Eisenbahnmaterial, Schiffe u. dgl.), sowie auch des Ersatzes des verzehr-
ten beweglichen Realkapitals (Materialvorräte, Vieh) sind Produktiv-
kräfte für die Kriegführung freigestellt worden. Auf die Länge muß
aber eine solche Wirtschaft ärmer, ihre Bedürfnisbefriedigung knapper
werden. Diejenige Verwendung der Produktivkräfte, durch welche
das Realkapital unverändert erhalten wird, und somit eine Verarmung
der Wirtschaft eben nur verhindert wird, kann nach dem gewöhnlichen
Sprachgebrauch nicht als Sparsamkeit bezeichnet werden, ist aber offen-
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