Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 6. Die gleichmäßig fortschreitende Wirtschaft, Sl 
bar eine Leistung derselben qualitativen Art wie die Sparsamkeit, die 
zu wirklicher Kapitalvermehrung führt. Eine solche Wirtschaftsführung 
ann unter Umständen sehr große Ansprüche auf Selbstbeherrschung 
und Rücksicht auf die Zukunft stellen. Für die Fixierung des Begriffs 
des Sparens im wirtschaftlichen Sinne müssen wir immerhin an der 
eben gezogenen Grenzlinie festhalten: das Sparen im eigentlichen Sinne 
beginnt mit der Vermehrung des Realkapitals: 
Das Sparen, wie es hier aufgefaßt wird, besteht in einer bestimmten 
Disposition der Produktionsmittel. Diese Auffassung des Sparens ist‘ 
mit der fortdauernden Wirtschaft, die allen unseren Betrachtungen zu- 
grunde liegt, notwendig verknüpft. Man findet aber auch häufig eine 
andere Auffassung, Nach dieser ist das Sparen ein gewisses Sichent- 
halten vom Verbrauch eines Vorrats von fertigen Gütern, welche übrigens 
meistens als Verbrauchsgegenstände gedacht werden, also eine ge- 
wisse Disposition über eine gegebene Menge von Konsumtionsartikeln, 
nach welcher vielleicht gewisse Teile derselben verbraucht, andere da- 
gegen „gespart“, d. h. für eine künftige Konsumtion reserviert werden. 
Ein Sparen dieser Art ist natürlich immer notwendig, sobald ein Vorrat 
von Verbrauchsgütern vorhanden ist und für eine bestimmte Zeit vor- 
alten muß: der Verbrauch des Vorrats muß mit einer gewissen Gleich- 
mäßigkeit auf die ganze Zeit verteilt werden. Dies ist z. B. besonders 
der Fall mit Bezug auf die Ernte. Für die Auffassung der Produktion, 
die wir im Anfang des 8 4 charakterisiert haben, und die den tech- 
nischen Prozeß, durch welchen das einzelne Gut hergestellt wird, vom 
Anfang bis zu Ende verfolgt, mag es natürlich sein, beim Studium der 
Konsumtion die Aufmerksamkeit vorzugsweise auf den durch diesen 
Produktionsprozeß geschaffenen Vorrat des Gutes und auf die allmäh- 
liche Konsumtion desselben zu richten und somit die Disposition über 
die vorhandenen Vorräte der fertigen Güter in den Vordergrund z 
stellen. Hat man aber wie wir die Wirtschaft als einen stets in wesent- 
lich denselben Formen und mit wesentlich demselben Inhalt fortdauern- 
den Prozeß aufgefaßt, so verliert diese Betrachtung der vorhandene 
orräte von fertigen Gütern ihre vorwiegende Bedeutung, denn in der 
fortdauernden Wirtschaft wird das Ergebnis der Produktion von einem 
stetigen Strom von fertigen Gütern, die gleich in die Konsumtion über- 
gehen, nicht von einem auf einmal geschaffenen Gütervorrat, der nach- 
her in einer längeren Zeit allmählich aufgezehrt wird, dargestellt. „Die 
Bedeutung der etwa zufällig vorhandenen kleinen Vorräte von fertigen 
ütern tritt in der fortdauernden Wirtschaft vollständig in den Hinter- 
grund im Vergleich mit dem stetigen Strom von fertigen Gütern, dessen 
Fortdauer durch die Produktion gesichert wird. Dies ist_besonder 
nter modernen Produktions- und Transportverhältnissen in hohem 
jrade der Fall. Unter diesen Voraussetzungen kann aber eine be- 
stimmte Leitung der Konsumtion wesentlich nur als eine Disposition
	        
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