Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. XII. Die internationalen Zahlungen. 
in. Warenexport besonderer Art, der das Gleichgewicht der Zahlungs- 
ilanz wiederherzustellen geeignet ist. Der Goldvorrat eines Gold- 
währungslandes wirkt also als eine Reserve zum Ausgleich eines zu- 
fälligen Defizits der internationalen Zahlungsbilanz. Wird diese Re- 
serve vollständig erschöpft, so stehen wieder nur die gewöhnlichen Mitte 
zum Ausgleich der Zahlungsbilanz zur Verfügung, also Aufnahme von 
ausländischen Anleihen, Effekten- und Warenausfuhr. Dann ist abe 
auch die Goldwährung aufgehoben. 
Natürlich werden die genannten Mittel sehr stark in Anspruch 
genommen, sobald der Wechselkurs sich dem oberen Goldpunkte nähert 
der ihn gar überschreitet. Eine solche Selbstregulierung der Zahlungs- 
ilanz findet aber nur unter der Voraussetzung statt, daß der Geldwer 
es Landes gegenüber dem des Auslandes nicht herabgesetzt wird. Ist 
agegen die schlechte Zahlungsbilanz und das Steigen des Wechsel- 
kurses eine Folge einer allgemeinen Erhöhung der Inlandspreise im 
erhältnis zu den Auslandspreisen, also einer Verschiebung der Kauf- 
raftparität, so werden der Steigerung des Wechselkurses keine solchen 
Hemmnisse entgegentreten. Aber auch dann bietet der Goldvorrat, 
solange das Gold frei zum gesetzlichen Parikurs hergegeben wird, ein 
vorläufiges Hindernis gegen eine weitere Steigerung des Wechselkurses, 
keineswegs aber gegen eine fortgesetzte Preissteigerung. Ist der Gold- 
vorrat einmal vollständig erschöpft oder wird die Einlösung der Noten 
eingestellt, wird der Wechselkurs mit einer fortgesetzten Preissteigerung 
noch weiter und unbegrenzt steigen. 
Die Stabilisierung der Wechselkurse hängt also in letzter Linie 
vollständig von der Stabilisierung des relativen Geldwertes, also von den 
Faktoren, die den Geldwert in den beiden Ländern regulieren, ab. 
| Nach der klassischen Theorie müßte der Goldvorrat zwischen Gold- 
währungsländern je nach dem Bedarf des einzelnen Landes so verteilt 
werden, daß das allgemeine Preisniveau in den verschiedenen Ländern 
wesentlich gleichstehen würde. Stiege das allgemeine Preisniveau in 
einem ‚der Länder, so würde die Wareneinfuhr nach diesem Lande 
ermuntert werden, die Warenausfuhr dagegen erschwert und folglich 
Gold dem Lande entzogen werden, wodurch sein Goldvorrat vermindert 
und sein Preisniveau nach der Quantitätstheorie entsprechend herab- 
esetzt werden müßte. Hierin läge eine automatische Regulierung der 
Goldverteilung und des Preisniveaus der verschiedenen Länder. Diese 
heorie wäre wohl im wesentlichen richtig, wenn das Metall Gold wirk- 
lich die Währung bildete. In Wirklichkeit ist dies nicht der Fall: auch 
in Goldwährungsländern hat die Währung ihre selbständige Existenz, 
ist nur in der vorhin beschriebenen Weise mit dem Metall Gold ver 
bunden. Der Kern von Wahrheit, den die klassische Theorie enthält 
ürfte durch die Ausführungen dieses Paragraphen richtig dargestellt sein. 
Die s. g. Currencytheorie, die der Peelschen Bankakte von 184 
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