Kap. XII. Die internationalen Zahlungen.
mittel zu ergänzen. Die Bankpolitik hat dafür zu sorgen, daß diese
Aufgabe wie die entsprechende Aufgabe im inneren Verkehr nur ein
zufällige wird, daß das Gold, sobald sich die Zahlungsbilanz bessert,
wieder in das Land und_in die Bankreserve zurückkehrt. Nur bei
richtiger Regulierung des allgemeinen Preisniveaus durch die Bank-
politik kann die Bankreserve in dieser Weise sowohl nach außen wie
nach innen geschützt und für ihre Aufgaben bewahrt werden.
Wir haben gesehen, daß in bezug auf den ‘inländischen Zahlungs-
mittelbedarf die Goldreserve der Zentralbank wesentlich reduzier
werden kann, wenn Gold im inneren Verkehr nicht zirkuliert. In ähn-
licher Weise können die Ansprüche auf die Goldreserve wesentlich
vermindert werden, wenn zum Ausgleich der internationalen Zahlungen
statt Gold andere Zahlungsmittel benutzt werden. Als solche kommen
ür eine Zentralbank hauptsächlich in Betracht Avistaforderungen au
ausländische Bankhäuser, auf ersten Börsenplätzen beschäftigte Re-
ortgelder, vor allem vielleicht börsenmäßige Wechsel auf solche Plätze
Diese Wechsel können teils vom Inlande auf das Ausland gezogene
echsel, besonders aber auch auf dem auswärtigen Platz zum Zwec
der Fruchtbarmachung der Bankreserve angekaufte Wechsel sein. Ein
entralbank, die auf den wichtigsten Weltzahlungsplätzen solche Gut-
haben in genügender Größe hält, kann immer Ansprüche auf ausländische
Zahlungsmittel durch Anweisungen auf diese Guthaben befriedigen un
somit Goldsendungen vermeiden. Dieser Weg scheint auch der natür
lichste und bequemste zu sein, da doch in letzter Linie nicht Gold
sondern ausländische Zahlungsmittel nachgefragt werden. Wenn in
jeser Weise Goldnachfrage für Export in allen gewöhnlichen Fällen
vermieden wird, und wenn im Lande selbst überhaupt kein Gold zir-
kuliert, kann die Zentralbank sich mit einer verhältnismäßig kleinen
Goldreserve begnügen. Dieser Gedanke ist in den oben erwähnten Vor-
schlägen der Internationalen Finanzkonferenz zu Genua 1922 mit
Bezug auf die Konzentration der Kassenhaltung der Zentralbanken in
den großen Finanzzentren zum Ausdruck gekommen.
-' Mag nun die Reserve aus Gold oder ausländischen Guthaben be-
stehen, so muß sie jedenfalls gegen allzustarke Ansprüche geschützt
werden.‘ Dies geschieht, wie schon hervorgehoben, in erster Linie durch
eine Bankpolitik, die darauf abzielt, das allgemeine Preisniveau mög-
lichst in Übereinstimmung mit der relativen Goldversorgung der Wel
zu halten. Nehmen wir der Einfachheit halber an, es Sei die relative
Goldversorgung eine Zeitlang konstant, so muß also die Bankpolitik
darauf hinausgehen, das allgemeine Preisniveau konstant zu halten.
Nehmen wir auch an, daß dies für eine gewisse Periode vollständig
elingt. Das Mittel hierzu ist, wie schon gezeigt, die Zinspolitik, vor
allem die Diskontpolitik der Banken. Damit das allgemeine Preis-
niveau in der angenommenen Periode konstant bleibt, muß also eine
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