Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 62. Die Bedeutung-der Bankpolitik für die internationalen Zahlungen. 469 
ganz bestimmte Diskontpolitik verfolgt werden. Nehmen wir auch an, 
daß das Preisniveau des Auslandes unverändert bleibt. Unter diesen 
Voraussetzungen wird die Diskontpolitik des Inlandes die Reserve gegen 
alle Ansprüche schützen, die sonst von einer Preissteigerung und einer 
dadurch veranlaßten Steigerung des Bedarfs an inländischen oder aus- 
ländischen Zahlungsmitteln ausgehen. Die Ansprüche auf Zahlungs- 
mittel, die der inländische Markt immerhin stellt, rühren von einer 
besonderen Belebung des Verkehrs zu gewissen Jahreszeiten oder unter 
guten Konjunkturen her und werden in erster Linie durch Vermehrung 
der Bankzahlungsmittel befriedigt. In ähnlicher Weise werden besondere 
Ansprüche auf ausländische Zahlungsmittel bei zufälligem Überschuß 
der Zahlungsverpflichtungen an das Ausland hervortreten. Eine solche 
zufällige negative Zahlungsbilanz kann auch ohne Veränderung des all- 
gemeinen Preisniveaus, und auch wenn im ganzen, auf die Dauer Gleich- 
gewicht der Zahlungsbilanz besteht, leicht entstehen, z. B. durch eine 
ungleichmäßige Verteilung der Einfuhr und der Ausfuhr auf die Jahres- 
zeiten oder durch zufälliges Überwiegen der Einfuhr unter gewissen 
wirtschaftlichen Konjunkturen, z. B. infolge Kapitalausleihungen im 
Auslande oder einer schlechten Ernte usw. Solche zufällige Ansprüche 
auf ausländische Zahlungsmittel werden in erster Linie durch die im 
8 60 angegebenen Mittel befriedigt, also vor allem durch Diskontierung 
von Wechseln, Verkauf von Effekten und Aufnahme von Anleihen im 
Auslande, Meistens gelingt es durch diese Mittel, die Zahlungsbilanz 
in Gleichgewicht zu bringen und somit die Reserve gegen Ansprüche 
des ausländischen Zahlungsverkehrs zu schützen, ebenso wie es durch 
Anwendung von Bankzahlungsmitteln gelingt, die Ansprüche des in- 
ländischen Zahlungsmittelbedarfs abzuwenden. 
Eine Zentralbank hat es aber auch in der Hand, diese selbst- 
wirkenden Verbesserungen der Zahlungsbilanz zu beschleunigen und 
zu kräftigen. Dies geschieht durch ein Mittel, das man in diesem Zu- 
sammenhang gewöhnlich einfach als „„Diskontpolitik‘ zu bezeichnen 
pflegt. Wenn der Diskont in Berlin über den auf vergleichbaren aus- 
ländischen Plätzen herrschenden Diskontsatz erhöht wird, werden aus- 
ländische Kapitalisten unter normalen Verhältnissen ihr Kapital gern 
vorübergehend in Berlin anlegen, was Goldsendungen nach Berlin ver- 
anlassen kann, meistens aber durch Ankauf von fälligen Forderungen 
auf Berlin geschieht. Damit hat eine Verschiebung der Zahlungsverpflich- 
tungen in die Zukunft stattgefunden, und die Zahlungsbilanz Berlins 
wird für den Augenblick verbessert. Auch wird Deutschland Wechsel 
auf das Ausland auf auswärtigen Plätzen mit niedrigerem Diskontsatz 
diskontieren und durch diese Antizipierung von Forderungsrechten 
Guthaben zur augenblicklichen Erleichterung der Zahlungsbilanz 
schaffen. Oder man gibt von Deutschland aus, um dem hohen deutschen 
Diskonto zu entgehen, Wechsel nach dem Auslande „in: ”Pension‘‘,
	        
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