454 Kap. XIV. Einfluß der Konjunkturen auf die Produktion.
gewiß nicht zu einem Stillstand gekommen, aber die Entwicklung ist
doch ruhiger als früher. Der jährliche Zuwachs des eingezahlten Kapitals
der englischen Eisenbahnen beträgt nunmehr oft weniger als 1% der
Gesamtsumme, und ist in der Periode 1901—1911 nie über 2% der-
selben gestiegen!). Die Veränderungen von Jahr zu Jahr zeigen keinen
auffallenden Zusammenhang mit den Konjunkturschwankungen. In
früheren Zeiten sind jedoch auch in England die Eisenbahnbauten für
die Gestaltung der Konjunkturen von ausschlaggebender Bedeutung
gewesen.
In manchen neuen Ländern haben natürlich die Eisenbahnbauten
heutzutage denselben Charakter, wie sie ihn in unseren alten Ländern in
ihrer ersten Epoche hatten. Daraus geht hervor, daß eine Statistik
der Eisenbahnbauten, die für die ganze Welt die jährlich neugebauten
Kilometerlängen angibt, uns keinen richtigen Einblick in die Bedeutung
des Eisenbahnbaus gibt. Noch klarer wird dies, wenn man sich er-
innert, wie sehr verschieden die Kosten pro Kilometer der Eisenbahnen
in den verschiedenen Ländern sind. Eine allgemeine Darstellung des
Einflusses der Konjunkturen auf die Eisenbahnbauten wird durch diese
Verhältnisse offenbar sehr erschwert.
Wenn man also feststellen kann, daß die Konjunkturbewegungen
im Bau von Häusern und von Eisenbahnen einen bestimmten Einfluß
zeigen, und zwar in der Richtung, daß die Kapitalproduktion auf den
genannten Gebieten in Aufgangsperioden steigt, um in Niedergangs-
perioden zu sinken, so ist dieses Resultat doch nur aus einzelnen Be-
obachtungen, die möglicherweise nicht repräsentativ sind, gewonnen,
bei deren Auswahl verschiedenartige Verhältnisse nicht gleichmäßig be-
rücksichtigt werden können, und die vor allem keine Messung des Ein-
flusses der Konjunkturen gestatten. Wir müssen unsere Bemühungen
darauf richten, eine Produktion zu finden, die die ganze Produktion von
festem Kapital vertreten kann, die auch quantitativ die Veränderungen
der Kapitalproduktion widerspiegelt und von deren Veränderungen
man also auf entsprechende Veränderungen der Kapitalproduktion
schließen kann. Für diesen Zweck müssen wir uns von der Produktion
bestimmter konkreter Kapitalgegenstände abwenden, um unsere
Aufmerksamkeit auf die Materialien, die in dieser Produktion allgemein
gebraucht werden, zu lenken.
Fragen wir uns also, welche sind die wichtigsten Materialien, aus
denen das feste Kapital in der modernen Wirtschaft besteht, so werden
wir leicht finden, daß unter diesen Eisen, Holz und Steine (inkl. Ziegel
und Zement) von größter Bedeutung sind. Unter diesen Materialien
wieder nimmt das Eisen unbedingt den ersten Platz ein. Die neuere
ı) Paid up Capital of Railway Companys. Statistical Abstract for the United
Kingdom.