Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 64. Die Hauptzweige der Produktion in den Konjunkturen. 485 
technische Entwicklung hat dem Eisen diese hervorragende Bedeutung 
als Material für das feste Kapital gegeben. In älteren Zeiten war das 
Eisen hauptsächlich Material für Werkzeuge. Die technischen Fort- 
schritte in der Eisenproduktion haben schon in der ersten Hälfte des 
eunzehnten Jahrhunderts die Anwendung des Eisens als Baumaterial 
ermöglicht, aber erst mit der Einführung des Bessemer-, des Siemens- 
artin- und des Thomas-Prozesses ist die Menschheit im modernen 
echnischen Sinne in das Eisenzeitalter eingetreten. Von den siebziger 
ahren an wird das Eisen in immer größerem Umfange für Bauten aller 
denkbaren Art angewendet. Nicht nur für die Eisenbahnen, deren 
Brücken, Viadukte, Bahnhöfe und rollendes Material, ist das Eisen 
das Hauptmaterial, sondern dasselbe gilt auch für Schiffe, Segelschiffe 
nicht ausgenommen, und für Gebäude, Fabrikgebäude sowohl wie 
Wohnhäuser. Seitdem durch den Thomas-Prozeß sehr billige eiserne 
Balken hergestellt werden, ist für das Eisen eine sehr ausgedehnte 
Anwendung bei den Hauskonstruktionen eröffnet worden. Kaum wird 
ehr auch nur ein kleines Haus gebaut, ohne daß Eisenbalken hinein- 
gelegt werden. Dazu kommt der große Verbrauch von Eisen für alle 
Rohrsysteme, die zu modernen Bauten gehören, mögen sie nun inner- 
halb des Hauses selbst oder in dazu führenden Straßen angebracht 
sein. Wenn wir uns alle diese Anwendungen des Eisens vergegen- 
wärtigen, wird es uns klar, daß das Eisen nicht bloß ohne Frage das 
ichtigste Material des festen Kapitals ist, sondern auch so allgemein 
Is solches benutzt wird, daß der Verbrauch von Eisen sich sehr wohl 
als ein Maßstab für die ganze Produktion von festem Kapital eignet. 
Man könnte einwenden, daß eine gewisse Quantität Eisen für die Konsum- 
gutproduktion Anwendung findet. Wenn wir aber den Eisenverbrauch 
nicht nach dem Wert, sondern nach Tonnen rechnen, wird der Ver- 
brauch für Rasiermesser, Schlittschuhe und dergleichen wenig ins 
ewicht fallen und kann außer Betracht bleiben. Die jährliche Pro- 
duktion von Eisen kann also als ein Maß für die gleichzeitige Pro- 
duktion von festem Kapital angenommen werden. 
Nun tritt das Eisen bekanntlich in einer großen Menge verschiedener 
ormen auf, Praktisch genommen, hat aber alles Eisen, wenigstens 
nter der Herrschaft der Vorkriegstechnik, das Stadium des Roheisens 
durchgemacht. Die Statistik der Roheisenproduktion gibt uns deshalb 
den für unseren Zweck nötigen Maßstab der gesamten Kapitalproduktion. 
Diese Statistik hat auch den Vorteil, daß sie in ziemlich zuverlässigen 
Ziffern für die ganze Welt vorliegt und uns also ermöglicht, eine Kurve, 
die die gesamte Weltproduktion von festem Kapital widerspiegelt, 
u ziehen, 
; "Auf unserem Diagramm ist die Weltproduktion von Roheisen durch 
nl Kurve A wiedergegeben (Fig. 8)!). Ein Blick auf diese Kurve zeigt 
') Die Ziffern auf der linken Seite des Dia rammes bezeichnen die Roheisen-
	        
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