488 Kap. XIV. Einfluß der Konjunkturen auf die Produktion.
Kohlenproduktion hierdurch ein Maßstab wird auch für das große
Gebiet der Produktion für die unmittelbare immaterielle Bedürfnisbefriedigung.
In unserem Diagramme (Fig. 8) ist die Weltproduktion
der Steinkohle durch die Kurve B vertreten, welche die Kohlenproduktion
in Millionen Tonnen (Ziffern rechts) wiedergibt.
Diese Kurve zeigt regelmäßig Erhöhungen für die Aufgangsperioden,
aber im allgemeinen keine oder nur unbedeutende Senkungen
in den Depressionsperioden. Im ganzen hat sie, wie gleich auffällt,
einen weit gleichmäßigeren Verlauf als die Roheisenkurve. Man spürt
die Einflüsse der Konjunkturen, aber es scheint sehr wahrscheinlich,
daß diese Einflüsse verschwinden oder wenigstens wesentlich ausgeglichen
werden würden, wenn wir diejenige Kohlenproduktion abrechnen
könnten, die für die Roheisenproduktion und die daran geknüpfte
ganze Eisenindustrie in Anspruch genommen wird. Es erscheint
also der Schluß berechtigt, daß die Kohlenproduktion, die für die
Konsumgutproduktion Verwendung findet, in der Tat sehr gleichmäßig
wächst und keine ausgeprägte Abhängigkeit von den Konjunkturen
zeigt. Den einzigen Rückgang der Kohlenproduktion von wirklicher
Bedeutung findet man im Jahre 1908 nach dem ungewöhnlich
großen Aufschwung im Jahre 1907. Es ist aber ersichtlich, daß dieser
Rückgang wesentlich dem enormen Rückgang der Roheisenproduktion
in demselben Jahre zuzuschreiben ist, und daß also die Kohlenproduktion
für andere Zwecke als für die Eisenindustrie auch von der Hochkonjunktur
des Jahres 1907 und der darauf folgenden Depression ziemlich
unberührt gewesen ist.
Der Vergleich zwischen unseren beiden Produktionskurven führt
also zu dem Ergebnis, daß die Konjunkturen einen ganz bestimmten
Einfluß auf die Produktion von Roheisen haben, aber daß ein solcher
Einfluß, was diejenige Steinkohle betrifft, die zu Konsumgutproduktion
verwendet wird, kaum nachgewiesen werden kann. Dieses Resultat
kann, nach dem, was wir über die Bedeutung unserer Kurven gesagt
haben, auch in dem weiteren Sinne gedeutet werden, daß die Produktion
von festem Kapital wesentlich von den Konjunkturen abhängt,
während die Produktion von Gütern, die direkt in die
Konsumentenwirtschaften übergehen, keine ausgeprägte
Abhängigkeit von den Konjunkturen zeigt. \Diesibedeutet,
daß der Wechsel zwischen Auf- und Niedergangsperioden
seiner innersten Natur nach eine Variation in der Produktion
von festem Kapital ist, aber in keinem unmittelbaren
Zusammenhang mit der übrigen Produktion steht.
Dieser Satz ist offenbar von so grundlegender Bedeutung für die
ganze Theorie der Konjunkturbewegungen, daß wir es nicht unterlassen
dürfen, ihn mit allen nur zu Gebote stehenden Mitteln zu prüfen. Zunächst
wollen wir dann noch für ein einzelnes Land — Deutschland —