/Kap. II. Die Tauschwirtschaft.
hörten, sind erst Schritt für Schritt dieser Eigenwirtschaft abgenommen
und einer spezialisierten berufsmäßigen Produktion vorbehalten worden.
Parallel mit dieser Entwicklung hat auch eine Verkleinerung der Einzelwirtschaften
stattgefunden, darin bestehend, daß die durch die berufsmäßige
Arbeit überflüssig gemachten Arbeitskräfte der‘ Einzelwirtschaft
entzogen und eben zur berufsmäßig organisierten Produktion
übergeführt wurden. Das bisherige Ergebnis dieser Entwicklung ist eine
Einzelwirtschaft, die sich nur auf den Kreis der Familie im modernen
sehr beschränkten Sinne des Wortes erstreckt und ihre produktive Aufgabe
in den allerletzten Vorbereitungen für die Bedürfnisbefriedigung
sieht, im übrigen aber die Mittel der Bedürfnisbefriedigung durch Teilnahme
an der berufsmäßigen Produktion erwirbt. Unter diesem Gesichtspunkt
kann man die moderne Familienwirtschaft eine „Konsumtionswirtschaft‘“
nennen. Die alte Eigenwirtschaft selbst ist dabei, wie
schon bemerkt, in der Hauptsache in eine Landwirtschaft umgewandelt,
die mehr und mehr speziell landwirtschaftlich, d. h. berufsmäßig geworden
ist, sich mehr und mehr die Aufgabe stellt, durch eine Überschußproduktion
an landwirtschaftlichen Produkten Mittel zu einer vollständigen
Bedürfnisbefriedigung zu gewinnen. In der Landwirtschaft bleibt
die Produktionswirtschaft immer noch ziemlich eng mit der Konsumtionswirtschaft
verschmolzen, obwohl wenigstens in größeren Betrieben
eine Trennung zwischen Konsumtionswirtschaft und der berufsmäßigen
Landwirtschaft deutlich zu erkennen ist.
Die Produktion wird bei einer in dieser Weise durchgeführten
Tauschwirtschaft hauptsächlich in selbständigen, von den privaten Konsumtionswirtschaften
getrennten Betrieben organisiert. Die Arbeit
widmet sich zum größten Teil diesen Betrieben. Persönliche Leistungen
werden aber außerdem auch von den häuslichen Dienstboten und den
Vertretern der sogenannten freien Berufe direkt für die Konsumtion
ausgeführt. Zwischen den verschiedenen produktiven Betrieben, von
denen jeder für sich nur eine Teilproduktion leistet, findet ein Zusammenwirken
der Art statt, daß die Produktion bis an die schließliche
Bedürfnisbefriedigung fortgeführt wird. Aus der so organisierten Produktion
fließt also ein stetiger Strom von Produkten und Diensten der
Konsumtion zu. Die Konsumenten erwerben diese Güter im Austausch
gegen ihre Mitarbeit im Produktionsprozeß oder gegen Dienste, die sie
kraft ihres Besitzes leisten. Die so organisierte Produktion nennt man
eine gesellschaftliche, weil sie nur durch das organisierte Zusammenwirken
einer Gesellschaft ein in sich abgeschlossener und vollständiger
Produktionsprozeß wird. Keine Einzelwirtschaft kann bei solcher
Organisation sich selbst versorgen. Jedermann ist für seine Bedürfnisbefriedigung
wesentlich oder vollständig auf die gesellschaftliche Produktion
hingewiesen. Er gelangt aber in den Besitz ihrer Ergebnisse
nur gegen bestimmtes Entgelt.
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