526 Kap. XVI. Einfluß der Konjunkturen auf die Produktionsmittel.
Periode, in. welcher der Bedarf von dauerhaften mate-
riellen Produktionsmitteln kleiner ist als in der vorher-
gehenden Hochkonjunktur. Eine „Überproduktion‘‘ gehört nicht
notwendig zum Wesen der Depression. Es genügt, daß die tatsächliche
Produktion. die mit den vorhandenen Produktionsmitteln mögliche
unterschreitet. Der beschäftigungslose Teil der Produktionsfähigkeit
beträgt, wie aus dem Diagramme ersichtlich ist, gewöhnlich nur einige
wenige Prozente. Diese Beschäftigungslosigkeit‘ bedeutet aber für die
Unternehmer einen erheblichen Verlust, der dadurch noch vergrößert
wird, daß der Wettbewerb um die noch zu Gebote stehende Beschäf-
tigung die Preise herunterdrückt. Auch die Arbeiter sind in gewissem
Maße dauerhaft mit der Produktion verbunden. Auch für sie bedeutet
die Depression eine relative Beschäftigungslosigkeit, also Arbeits-
losigkeit und Druck auf die Lohnsätze. Die kleine Senkung der Kurve
der Roheisenerzeugung genügt demnach, da die Roheisenerzeugung
die ganze Produktion von festem Kapital repräsentiert, um schwere
Störungen in der ganzen Volkswirtschaft hervorzurufen.
Ein Blick auf das Diagramm zeigt uns, daß die Depressionsperioden
eine Tendenz haben, kürzer zu werden. Diese Tendenz’ muß offenbar
fortbestehen, solange die Kurve der Roheisenerzeugung derselben auf-
steigenden Bewegung folgt, die sie in der Zeit seit 1870 im großen gezeigt
hat. Über die künftige Gestaltung dieser Kurve können wir aber natür-
lich nichts wissen.
Da die Produktion von festem Kapital immer fortgesetzt wird, ist
die Gesellschaft, wie wir schon festgestellt haben, am Ende der De-
pressionsperiode mit dauerhaften Produktionsmitteln besser ausgerüstet
als am Anfang. Die relative Beschäftigungslosigkeit der Produktions-
mittel ist also dann größer, als sie nach der Darstellung unseres Dia-
grammes erscheinen würde. Sobald aber die Produktion wieder die
Höhe der früheren Hochkonjunktur erreicht, wird erfahrungsgemäß
jede Depression gleich vollständig überwunden und die Volkswirtschaft
tritt in eine neue Hochkonjunktur ein. Unsere Methode der Kon-
struktion der Depressionsperioden ist deshalb genügend.
Die Ergebnisse, zu denen wir in diesem Paragraphen gekommen
sind, lassen die Bedeutung der Dauerhaftigkeit der Produktionsmittel
in den Konjunkturschwankungen klar hervortreten. Es wird oft ge-
fragt: warum kann eine vollständige Anpassung der Produktivkräfte
an die Bedürfnisse nicht erreicht werden? Diese Frage wird zuweilen
auch zum Ausgangspunkt einer die ganze moderne Gesellschafts-
ordnung‘ verwerfenden Kritik gemacht. Man übersieht dabei, daß die
dauerhaften Produktionsmittel den Höchstbedürfnissen angepaßt werden
müssen und deshalb gerade ihrer Dauerhaftigkeit zufolge bei jedem
Rückgang der Nachfrage in Überfluß vorhanden sein müssen. Nur
wenn der Bedarf an Diensten der dauerhaften Produktionsmittel