8 70. Wechselnde Ausnutzung der Produktionsmittel. 529
nur in kleinerem Maße als gewöhnlich nötig sein, und die Produktionsmittel
der zweiten Gruppe werden unvollständig beschäftigt sein.
Es geht aus diesen Erwägungen hervor, daß die Produktion von
dauerhaften Produktionsmitteln im allgemeinen für die Schwankungen
der Nachfrage der Konsumenten viel empfindlicher sein muß als die
Produktion, die unmittelbar für Rechnung der Konsumenten arbeitet.
Unter solchen Umständen ist es nur natürlich, daß die Produktion von
festem Kapital viel ausgeprägtere Schwankungen zeigen muß als die
übrige Produktion, eine Tatsache, die wir schon auf verschiedenen
Wegen haben feststellen können.
Wie stark die Beschäftigung der Produktionsmittel höherer Ordnung
von den Schwankungen der Nachfrage der schließlichen Konsumtion
beeinflußt werden kann, zeigt sich besonders, wenn man solche
dauerhaften Produktionsmittel, die nur einem ‘ganz speziellen Zweck
dienen, betrachtet. Nehmen wir z. B. die englischen Schiffswerften. Die
Schiffe, die sie produzieren, sind dauerhafte Produktionsmittel, deren
Nachfrage durch den Umfang der Frachtfahrt dargestellt werden kann,
Die Schwankungen dieser Nachfrage brauchen nicht groß zu sein, um
enorme Schwankungen im Beschäftigungsgrade der Werften hervorzurufen.
Auf unserem Diagramme (Fig. 14) stellt die Kurve A die Gesamttonnage
der in englischen Häfen jährlich eingelaufenen Schiffe dar
und gibt also ein Bild der Entwicklung der Frachtfahrt. Die Kurve B
dagegen zeigt in 10000 Tonnen die Gesamttonnage der jährlich auf
englischen Werften neugebauten Schiffel). Man sieht, daß die Kurve A
nur sehr wenig zu fallen oder sogar nur eine Zeitlang eine horizontale
Richtung anzunehmen braucht, um einen furchtbaren Rückgang in der
Beschäftigung der Werften eintreten zu lassen.
Die Kurve der Frachtfahrt muß im ganzen als sehr gleichmäßig
betrachtet werden. Schwerlich wird für die nächste Zukunft in dieser
und ähnlichen Entwicklungslinien eine größere Gleichmäßigkeit erreicht
werden. Dennoch sind die kleinen Abweichungen von der konstanten
prozentualen Steigerung hinreichend, um in der Schiffsbauindustrie
sehr schwere Störungen zu verursachen. Die Aussicht, daß
wir auf dem Gebiete der kapitalproduzierenden Industrien je zu einer
vollständig gleichmäßigen. Tätigkeit, die keinen Konjunkturschwankungen
ausgesetzt wäre, kommen würden, scheint demnach sehr gering.
!) Für die Ziffern zu diesem Diagramme, die in der Tabelle 10 im Anhang
wiedergegeben sind, siehe: Board of Trade: Statistical Tables and Charts. Cd. 4954.
1909, p. 97 und p. 104.
Cassel, Theoret. Sozialökonomie. 4. Aufl.
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