$ 71. Die Warenpreise, #33
der Konjunkturen auf Produktion und Arbeit gekommen sind, nochmals
bestätigt. Wir können aber aus der Bewegung der Preise unter den
verschiedenen Konjunkturen noch mehrere wichtige Schlüsse ziehen.
Erstens finden wir, daß die Hochkonjunktur nicht nur für die
Materialien des festen Kapitals, sondern auch für andere Waren eine
Preiserhöhung mit sich bringt. Der Preiserhöhung der Materialien des
festen Kapitals gegenüber steht also nicht, wie man vielleicht erwarten
könnte, eine Preisermäßigung anderer Waren. Was wir beobachten, ist
nicht bloß eine relative Verschiebung der Preise verschiedener Waren,
sondern in der Tat eine allgemeine Erhöhung des Preisniveaus. Diese
Erhöhung beruht nicht etwa darauf, daß die Preissteigerung der Mate-
rialien des festen Kapitals eine entgegengesetzte Preisbewegung für
die übrigen Waren überwiegt, sondern auch die Gruppe der „übrigen
Waren“ wirkt, wenn auch in viel geringerem Grade zur allgemeinen
Preissteigerung mit. Diese allgemeine Preiserhöhung kann nicht auf
Veränderungen der Goldmenge zurückgeführt werden. Denn sie ist
noch auf unserem‘ Diagramme, wo wir den Einfluß der wechselnden
Goldmenge auf die Preise eliminiert haben, ersichtlich. Wir müssen
also schließen, daß die Konjunkturen auch auf dem rein monetären
Gebiete einen besonderen Einfluß ausüben.
Diesen Einfluß haben wir schon ($ 56) festgestellt. In der Hoch-
konjunktur steigen nicht nur die Warenpreise, sondern auch der Um-
fang des Realumsatzes, somit in verstärktem Grade die gesamte Zah-
lungsleistung. Diese gesteigerte Zahlungsleistung wird ermöglicht, teils
durch eine Beschleunigung des Umsatzes der vorhandenen Zahlungs-
mittel, ‚teils durch eine Vermehrung der Bankzahlungsmittel. Die
Steigerung der Umlaufsgeschwindigkeit der Zahlungsmittel ist offenbar
eine unmittelbare Wirkung der allgemeinen Steigerung der Lebhaftig-
keit des Verkehrs, welche die Hochkonjunktur kennzeichnet. Die
reichlichere Zahlungsmittelversorgung setzt dagegen eine gewisse Mit-
wirkung der Banken voraus und hängt also gewissermaßen von den
Bedingungen dieser Mitwirkung, namentlich von der Zinspolitik der
Banken ab. Die Hochkonjunktur bedeutet demnach nicht nur eine
lediglich auf Verhältnissen des Warenmarkts beruhende relative Ver-
schiebung der Warenpreise, sondern auch eine wirkliche Erhöhung des
allgemeinen Preisniveaus, welche nur als Ergebnis einer relativ weit-
gehenden Hergabe von Zahlungsmitteln seitens der Banken erklärt
werden kann.
Zweitens: Die außerordentliche Höhe, auf welche die Preise
der Materialien des festen Kapitals in den Hochkonjunkturen meistens
steigen, ist ein Beweis dafür, daß eine intensive Knappheit an diesen
Materialien herrscht. Trotzdem diese Materialien in sehr gesteigertem
Umfang produziert werden, kann die Nachfrage nach ihnen nur dann
befriedigt werden, wenn sie durch außerordentlich hohe Preise ein-
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W/Ar