Full text: Theoretische Sozialökonomie

534 Kap. XVII. Einfluß der Konjunkturen auf die Preisbildung usw. 
eschränkt wird. Die sehr vergrößerte Produktion von Matertalien 
des festen Kapitals in der Hochkonjunktur bedeutet also nicht irgendwie 
eine Überproduktion, im Gegenteil, es besteht in der Hochkonjunktur 
eine wirkliche, nicht spekulative Nachfrage nach den Materialien des 
festen Kapitals, eine Nachfrage, die eben von den Unternehmern, 
die das feste Kapital selbst herstellen, ausgeht. Diese Nachfrage ist in 
der typischen Hochkonjunktur immer um so viel stärker als das ent- 
sprechende Angebot, daß eine zur Ausgleichung des Marktes not- 
wendige Preissteigerung hervorgezwungen wird. Über diese Tatsache 
können wir uns übrigens aus den Marktberichten jeder Hochkonjunktur 
unterrichten: Mangel an Materialien legt einen Hemmschuh auf die 
weitere Steigerung der. Produktion von festem Kapital. a. 
Drittens muß in den Hochkonjunkturen auch eine gewisse 
nappheit derjenigen Produktionsmittel, die zur Produktion der 
Materialien des festen Kapitals dienen, bestehen. Wenn die Preise dieser 
Materialien so gewaltig steigen, wie dies in der Tat der Fall ist, * 
können wir sicher sein, daß die Produzenten alle Kräfte heranziehen, 
um die Gunst der Konjunktur richtig ausnutzen zu können. Wenn 
dennoch der Markt eine längere Zeit hindurch nur knapp versorgt wird, 
kann dies nur daraus erklärt werden, daß die Produktionsmittel bis 
aufs äußerste in Anspruch genommen sind. Dies gilt sicher sowohl vo 
den Arbeitern wie auch von den dauerhaften materiellen Produktions- 
mitteln. Was die Arbeiter betrifft, haben wir schon festgestellt, daß 
in den Hochkonjunkturen in den hier in Frage stehenden Industrien 
ein Arbeitermangel herrscht, der nur teilweise durch Einlegen von Über- 
stunden ausgeglichen werden kann. Daß auch die dauerhaften mate- 
riellen Produktionsmittel voll ausgenutzt sind, haben wir besonders 
für das Transportwesen feststellen können. Die andauernde Preis- 
steigerung der Produkte der hier in Frage stehenden Industrien ist aber 
der beste Beweis dafür, daß ihre Produktionsfähigkeit im großen ganze 
voll in Anspruch genommen ist. In der Hochkonjunktur ist also nicht 
mehr sowohl von Arbeitern als auch von dauerhaften materiellen 
roduktionsmitteln vorhanden, als für die Produktion derjenigen Menge 
von Materialien festen Kapitals, für welche eine wirkliche Nachfrage 
besteht, nötig ist. 
Dies gilt speziell auch von der Roheisenproduktion. Mit den vor- 
handenen Hochöfen, Erzgruben, Transportmitteln usw. kann in der 
Hochkonjunktur im allgemeinen nicht mehr Roheisen produziert werden, 
als wirklich produziert wird. Die Spitzen der Kurve auf unserem Dia- 
gramme (Fig. 15) bezeichnen also die höchste Produktion, die mit den 
vorhandenen dauerhaften materiellen Produktionsmitteln erzielt werden 
ann. Diese an der Spitze der Hochkonjunktur erreichte Produktions- 
ähigkeit besteht noch in der folgenden Depression und bildet das Maß, 
mit dem die wirkliche Produktion verglichen werden muß, wenn wi
	        
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