Full text : Theoretische Sozialökonomie

8 75. Die Sparkapitalbildung 7
letztgenannten Gruppen der Ersparnisse werden wohl gewisse statistische
 Daten veröffentlicht, sie sind aber immer sehr unvollständig und
unzuVverlässig. Als Maß der gesamten Spartätigkeit sind sie vor allem
nicht zu benutzen, da es immer unbekannt bleibt, in welchem Verhältnis
die Bankguthaben oder die Emissionsbeträge zu den übrigen Ersparnissen
 stehen, und da man sicher annehmen darf, daß dieses Verhältnis
 in verschiedenen Ländern und besonders unter verschiedenen
Konjunkturen sehr verschieden ist. Die Bankguthaben haben bekanntlich
 einen sehr wechselnden Charakter und spielen in den verschiedenen
Ländern eine ganz unvergleichbare Rolle. Was die Emissionen betrifft, so
können sie aus mehreren Gründen nicht als Maß der wirklichen Kapitalbildung
 benutzt werden. In dieser Hinsicht bemerken wir nur, daß ein
bedeutender Teil dieses Emissionskapitals zur Deckung schwebender
Schulden oder zum Ankauf schon vorhandenen Realkapitals dient und
also keine wirkliche Kapitalvermehrung der Gesellschaft darstellt.
Emissionen, die z. B. zur Umbildung privater Unternehmungen in
Aktiengesellschaften oder zur Zusammenlegung verschiedener Aktiengesellschaften
 dienen, sollten natürlich bei einer Statistik der wirklichen
Kapitalbildung nicht mitgerechnet werden. Auch können wir nicht
wissen, in welchem Umfange die emittierten Beträge wirklich in demselben
 Jahre eingezahlt werden, und noch weniger, ob die gemachten
Einzahlungen aus wirklich vorhandenen Ersparnissen oder etwa nur
sozusagen durch Wechsel auf die Zukunft gedeckt werden. Die Emissionsstatistik
 zeigt auch in der Tat bedeutend größere Schwankungen,
als man bei der wirklichen Kapitalbildung voraussetzen kann.
Eine Untersuchung der Kapitalbildung kann sich auch nicht auf ein
einziges Land beschränken, sondern muß immer auf die bedeutenden
internationalen Kapitalbewegungen Rücksicht nehmen. Zieht man aber
alle diese Schwierigkeiten in Rechnung, so wird man sich überzeugen,
daß die Ziffern, die über die Kapitalbildung veröffentlicht werden,
keinen zuverlässigen Aufschluß über die Veränderungen des Betrags
der Sparmittel, die dem Kapitalmarkt von Jahr zu Jahr zugeführt
werden, geben. Wir sind darauf hingewiesen, auf indirektem Wege uns
eine ungefähre Vorstellung über die Veränderungen der Kapitalbildung
in den verschiedenen Konjunkturabschnitten zu bilden.
Wir haben im $ 73 gefunden, daß das Volkseinkommen sich im
ganzen sehr gleichmäßig entwickelt, daß es aber in den Depressionen
ein wenig zurückgeht oder meistens nur in seinem Zuwachs etwas gehemmt
 wird. Auf die Kapitalbildung haben aber die Konjunkturbewegungen
 aller Wahrscheinlichkeit nach einen etwas stärker ausgeprägten
 Einfluß.
Da die Unternehmer von der wirtschaftlichen Notwendigkeit zum
Sparen gezwungen sind, so dürfte von dem Unternehmergewinn ein
größerer Teil als von anderen Einkommensarten als Ersparnis zurück-54L


            
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