Full text : Theoretische Sozialökonomie

552 Kap. XVII. Einfluß der Konjunkturen auf den Kapitalmarkt.
gegengesetzte Preisbewegung stattfinden. Diese muß aber, da der Umfang
 der Kapitalproduktion sich relativ stärker verändert hat, schärfer
ausgeprägt sein. Betrachtet man den Kapitalmarkt als einen Markt,
wo das produzierte feste Kapital zum Verkauf kommt, so müssen offenbar
 unter den gegebenen Voraussetzungen die Preise der konkreten
Kapitalgüter sinken, und dies so weit, daß Gleichgewicht zwischen dem
Gesamtwert des neuproduzierten Realkapitals und dem zum Kauf desselben
 bestimmten Einkommen hergestellt wird. Dabei teilen vielleicht
die Dienste des festen Kapitals die aufsteigende Preisbewegung der
Konsumgüter, Dann wird die Quote zwischen dem Preis des festen
Kapitals und dem Preis der Anwendung desselben zurückgehen, was
ja gleichbedeutend mit einem Steigen des Zinsfußes ist.
Betrachtet man wieder den Kapitalmarkt als den Markt, wo Angebot
 und Nachfrage von Kapitaldisposition zusammentreffen, so wird
unter den gegebenen Voraussetzungen die Nachfrage nach Kapitaldisposition
 eine überwiegende Tendenz zeigen und der Preis der
Kapitaldisposition in die Höhe gehen, mit anderen Worten, der Zinsfuß
steigen. Da Renten nach diesem höheren Zinsfuß kapitalisiert werden,
sinken die Kapitalwerte derselben. Die Preisreduktion der Kapitalgüter
 vermindert die zum Erwerb derselben erforderliche Kapitaldisposition
 so weit, daß Gleichgewicht auf dem Kapitalmarkt wieder
hergestellt wird.
Daß eine Verschiebung in der gesellschaftlichen Produktion zugunsten
 der Kapitalproduktion, die von keiner entsprechenden Verschiebung
 in der Verwendung des Einkommens begleitet ist, Preisverschiebungen
 zuungunsten des festen Realkapitals und zugunsten der
Verbrauchsgegenstände hervorrufen muß, ist eigentlich selbstverständlich.
 Erst bei der neuen Preislage kann ein Gleichgewicht zwischen
Einkommen und Produktion auch in ihren verschiedenen Hauptteilen
eintreten.
Die Wirkungen der Depression müssen offenbar in entgegengesetzter
 Richtung gehen. Da die Produktion von festem Kapital
relativ zurückgeht, also die Produktion von Verbrauchsgegenständen
relativ zunimmt, müssen die Preise der Verbrauchsgegenstände zurückgehen,
 die Preise der Güter, die festes Kapital sind, aber relativ steigen,
d. h. der Zinsfuß fallen.
Ziehen wir nun aber auch die Veränderungen der Kapitalbildung
unter den Konjunkturbewegungen in Betracht. Daß die Konjunkturbewegungen
 auch auf die Verwendung des Einkommens einen Einfluß
haben, Verschiebungen in der Richtung eines steigenden oder sinkenden
Spargrades bewirken, haben wir im vorigen Kapital als sehr wahrscheinlich
 bezeichnen können. In der Periode des beginnenden Aufschwungs,
 wo der Unternehmergewinn sich stark entwickelt, ist die
Kapitalbildung relativ groß. Es findet dann eine Verschiebung in der
            
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