Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 80. Das Prinzip der Wirkung und Gegenwirkung. 5 
Es zeigt sich hier, daß die Zinsen der noch nicht fundierten Schulden 
in den Krisenjahren stark anschwellen. Auch im Jahre vorher ist eine 
Steigerung dieses Zinsbetrags merkbar. Dies beweist, daß die Eisen- 
bahngesellschaften in der letzten Zeit der Hochkonjunktur reguläre 
Anleihen in genügendem Betrage aufzunehmen nicht imstande gewesen 
sind, was wiederum die Kapitalknappheit der Hochkonjunktur als eine 
sehr materielle Tatsache bestätigt. 
Der Mangel an Sparmitteln in der letzten Zeit der Hochkonjunktur 
tritt nach dem jetzt Gesagten zuerst in einer Beschränkung derjenigen 
Tätigkeit, bei der das einzelne Unternehmen wie im Baugewerbe ver- 
hältnismäßig schnell vollendet wird, zutage, dann aber auch für die 
großen Transportunternehmungen in einer erschwerten Kapital- 
beschaffung, die zuletzt, wenigstens für die Privatgesellschaften, nur 
unter drückenden Opfern möglich ist. Am wenigsten werden die Staaten 
und Kommunalverbände in ihrer Produktion von festem Kapital durch 
die zunehmende Anspannung des Kapitalmarkts gehindert. 
Neunzehntes Kapitel. 
Die bestimmenden Faktoren der Konjunkturbewegungen. 
$ 80. Das Prinzip der Wirkung und Gegenwirkung. 
Bei unseren Studien der Konjunkturen haben wir uns bisher auf 
die konkreten Vorgänge und auf ihren unmittelbaren Zusammenhang 
beschränkt. Suchen wir jetzt den Kräften, die die Bewegung als treibende 
oder hemmende Momente bestimmen, näherzütreten. 
Unter diesen Kräften nimmt der Kapitalzins den zentralen Platz 
ein. Der niedrige Zinsfuß, der in der Depression vorherrscht, wirkt 
offenbar als ein kräftiger Anstoß zur erweiterten Produktion von festem 
Kapital. Bei einem gegebenen Ertrag ist der Wert des festen Kapitals 
um so höher, je niedriger der Zinsfuß ist. Der niedrige Zinsfuß ist also 
gleichbedeutend mit hohen Preisen für das fertiggestellte Kapital. In 
einer Zeit andauernd niedrigen Zinsfußes eröffnen sich deshalb Aus- 
sichten auf erhebliche Gewinne für die Unternehmer, die sich auf Bau- 
tätigkeit, Eisenbahnbauten oder sonstige Anlagen, die ein großes festes 
Kapital darstellen, einlassen wollen. Durch Verkauf der Häuser oder 
Aktien der Unternehmungen an das anlagesuchende Publikum kann 
der Gewinn realisiert werden. 
Wir haben früher (Kap. VI) gefunden, daß immer Möglichkeiten 
zu Unternehmungen vorhanden sind, die viel festes Kapital erfordern, 
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