Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 86. Die Last des Zollschutzes. 9 
Nachfrage nach dänischen Eiern usw. ist schließlich eine Nachfrage 
nach diesen Produktionsfaktoren. Der Zoll vermindert diese Nach- 
frage, und wenn man dieselbe dennoch möglichst zu erhalten wünscht, 
kann dies nur durch eine Senkung der Preise der Produktionsfaktoren 
geschehen. Im allgemeinen dürfte man wohl sagen können, daß die 
Schutzzölle eine Tendenz dazu haben, die Arbeitslöhne in fremden 
Ländern herabzupressen. Dies kann wohl für das Land, das die Zölle er- 
hebt, ein Vorteil sein, insofern, daß es die Auslandswaren dadurch 
billiger bekommt. Wenn man aber das gesamte Zollschutzsystem der 
ganzen Welt überblickt, so kann man kaum im Zweifel darüber sein, 
da$ infolge dieses Systems die Arbeiterlöhne auf einem niedrigeren 
Niveau gehalten werden, als bei allgemeinem Freihandel zu erreichen 
wäre. 
Was hier über die Verteilung der Last des Zollschutzes gesagt ist, 
macht es klar, daß der Zollschutz in dem Maße, wie er wirklich als Schutz 
wirkt, nicht vom Auslande getragen wird, sondern wirklich den in- 
ländischen Preis erhöht und also das Inland belastet. 
Die Frage, wer diese Last schließlich trägt, ist indessen damit nicht 
entschieden. Populär wird die Sache einfach so dargestellt, als ob die 
Konsumenten der betreffenden Ware die Last des Zollschutzes zu tragen 
hätten, wobei man sich die Gesamtlast als das Produkt einer Multi- 
plikation der eingetretenen Preiserhöhung mit der Gesamtkonsumtion 
vorstellt. Diese Betrachtungsweise wird auch dazu benutzt, um die 
Wirkungen des Zollschutzes auf die Einkommensverteilung festzustellen. 
Dies führt zu der Auffassung, daß der Zollschutz allgemein eine Be- 
schädigung der Konsumenten bedeutet. Ein solcher Schluß ist offenbar 
unrichtig. Man muß nämlich berücksichtigen, daß wahrscheinlich auch 
unter den Konsumenten sich Gruppen befinden, die einen Vorteil vom 
Zollschutz haben, oder zugunsten deren eben der Zollschutz eingeführt 
worden ist. Wenn z. B. ein Zoll auf Schuhe in der Absicht, den Schuh- 
arbeitern Beschäfiigung zu einem nicht allzu niedrigen Preis zu sichern, 
eingeführt ist, so kann man doch nicht die Erhöhung der Schuhpreise, 
die natürlich auch die Schuharbeiter als Konsumenten tragen, als eine 
Last für diese Arbeiter betrachten. Dadurch, daß die Schuharbeiter 
jetzt besser beschäftigt sind, können vielleicht auch andere Gruppen 
von Arbeitern einen höheren Lohn bekommen, weil sie weniger der 
Konkurrenz der Schuharbeiter ausgesetzt sind. Diese Lohnerhöhung 
kann dann die Preissteigerung für Schuhe kompensieren. Natürlich 
muß es auch Erwerbszweige geben, die die Last der erhöhten Schuh- 
preise wirklich tragen. Es ist aber nicht sicher, daß diese Last von den 
Arbeitern dieser Erwerbszweige getragen wird. Die erwähnte Preis- 
steigerung kann nämlich unter Umständen durch eine Lohnsteigerung 
auf die Arbeitgeber, von diesen vielleicht weiter auf andere Produktions- 
faktoren, abgewälzt werden. Es ist hieraus klar, daß man die Erhöhung 
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