Full text: Theoretische Sozialökonomie

608 Kap. XXI. Theorie des internationalen Handels. 
fälligen, privatökonomischen Gesichtspunkten bestimmt gewesen, wie 
dies in anderen Ländern der Fall gewesen ist. Die konkreten Voraus- 
setzungen für eine vorteilhafte Zollschutzpolitik waren nur in Schweden 
besonders günstig. Es ist schon zweifelhaft, ob diese Voraussetzungen 
nunmehr in demselben Maße bestehen. Es dürfte überhaupt wenige 
Länder geben, die mit solchen Voraussetzungen rechnen können. 
Einundzwanzigstes Kapitel. 
Theorie des internationalen Handels. 
8 88. Der internationale Handel als ein Valutaproblem. 
Der internationale Handel ist ein Handel zwischen Gebieten, die 
sich als selbständige wirtschaftliche Einheiten auffassen. Eine solche 
Auffassung kommt darin zum Ausdruck, daß innerhalb des Gebietes 
die Idee einer gewissen wirtschaftlichen Interessengemeinschaft sich 
so weit geltend zu machen vermag, daß sie in irgendeiner Form eine 
bewußte Vertretung des gemeinsamen Interesses veranlaßt. Sucht nun 
diese Vertretung den Handel nach außen irgendwie zu beeinflussen, so 
entsteht eine internationale Handelspolitik. Das wichtigste Mittel zur 
Durchführung einer Handelspolitik ist eine bestimmte Zollgrenze, und 
für die moderne Auffassung tritt wohl das von einer Zollgrenze um- 
schlossene Zollgebiet als die wesentliche handelspolitische Einheit her- 
vor. Der internationale Handel ist nach dieser Auffassung ein Handel 
zwischen verschiedenen Zollgebieten. Von diesem Gesichtspunkt aus 
haben wir im vorigen Kapitel den internationalen Handel behandelt. Es 
ist aber offenbar, daß mit einer solchen Begriffsbestimmung einem 
technischen Moment ein‘ ungebührliches Gewicht beigelegt wird. Zölle 
sind ja keineswegs eine notwendige Veranstaltung für die Existenz 
eines internationalen Handels. Bei einer theoretischen Betrachtung ist 
es wohl das natürlichste, zunächst vorauszusetzen, daß keine solchen 
künstlichen Schwierigkeiten dem internationalen Handel in den Weg 
gelegt werden. Das Charakteristikon des internationalen Handels muß 
deshalb in der wesentlichen Natur der wirtschaftlichen Selbständigkeit 
der in Frage kommenden Gebiete gesucht werden. 
Nun muß die Theorie des internationalen Handels wie jede öko- 
nomische Theorie in erster Linie eine Theorie der Preisbildung sein. 
Sobald wir aber die Preisbildung in, sagen wir zwei verschiedenen 
Ländern unter den Einfluß eines Handels zwischen denselben studieren 
wollen, so müssen wir ein Geldsystem für jedes Land postulieren. Die 
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