© Kap. XXI. Theorie des internationalen Handels.
solche Produktionszweige konzentriert, die viel Boden und wenig Arbeit
in Anspruch nehmen, B dagegen solche Produktionszweige vorzieht,
die viel Arbeit und wenig Boden erfordern. Der Boden in A wird nun
Gegenstand einer Nachfrage nicht nur von A sondern auch von B.
Diese Nachfrage richtet sich in allen Fällen auf fertige Güter, die für
ihre Herstellung besonders viel Boden in Anspruch nehmen, und re-
präsentiert also in ihrer Gesamtheit eine stärkere Nachfrage des Bodens
des Landes A als diejenige, die früher bestand. Dadurch wird der Preis
der Bodennutzung in A gesteigert. Die knappe Arbeitskraft des Landes A
wird dagegen nunmehr nur für solche Produktionszweige in Anspruch
genommen, die relativ wenig Arbeit brauchen. Trotzdem daß diese jetzt
sowohl von A wie von B nachgefragt wird, so ist diese Gesamtnach-
frage jedoch schwächer als früher, und die Arbeitslöhne in A fallen. Eine
umgekehrte Bewegung findet in B statt. Hierin besteht für den betrach-
teten Fall die preisausgleichende Wirkung des internationalen Handels.
Bei Gleichgewicht ist natürlich der Bodenpreis in A immer noch
niedriger und der Arbeitslohn immer noch höher als in B. Ein weiterer
Güteraustausch kann aber jetzt nicht zustande kommen, weil eben die
Länder sich jetzt auf solche Produktionszweige konzentriert haben,
die für sie am Vorteilhaftesten liegen. Würde es A versuchen, noch
einen Produktionszweig von B zu erobern, so müßte dies ein Produk-
tionszweig sein, wo relativ wenig Boden und viel Arbeit erforderlich
wären, also ein Produktionszweig der für A nicht besonders paßt. Mit
Hinsicht auf das Gleichgewicht im internationalen Handel würde dies
auch nicht geschehen können, ohne daß B einen Produktionszweig
von A eroberte, der auch für B weniger passend wäre. Diese Verhält-
nisse geben der Gleichgewichtslage eine bestimmte Stabilität. Wir
sehen also, daß die Ungleichmäßigkeit in der Ausrüstung mit elemen-
taren Produktionsfaktoren, welche, solange die Länder isoliert sind,
eine entsprechende Ungleichmäßigkeit der Preisbildung für diese Pro-
duktionsfaktoren zur Folge haben muß, einen Faktor darstellt, der
auch nach dem Zustandekommen eines internationalen Handels wirk-
sam ist und nur teilweise durch den Austausch von fertigen Gütern
aufgehoben werden kann).
') Kehren wir zu unserem Gleichungssystem zurück, so finden wir daß die
Preise der elementaren Produktionsfaktoren durch dasselbe vollständig bestimmt
werden. Für diese Preise können wir also keine weiteren Bedingungen aufstellen,
Wenn in einer gegebenen Lage ein gewisses Verhältnis zwischen diesen Preisen
besteht, so kann dasselbe Verhältnis nicht fortbestehen bei beliebigen Änderungen
der gegebenen Faktoren unseres Gleichungssystems, mögen nun diese Änderungen
auch auf einen noch so kleinen Umfang beschränkt sein. Ein gewisses Verhältnis
zwischen den Preisen der elementaren Produktionsfaktoren in den beiden Ländern
kann also keine allgemeine Geltung haben. Besonders ist deshalb eine Gleichheit
dieser Preise innerhalb eines noch so kleinen Variationsgebietes der Realbedingungen
ausgeschlossen.
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