Full text: Theoretische Sozialökonomie

Ba Kap. XXI. Theorie des internationalen Handels. 
übergehende Veränderungen im Wechselkurs verursachen. Die ganze 
Sache läßt sich natürlich nur empirisch studieren. Für ein solches 
Studium müssen wir zwei Länder wählen, die vergleichbare Index- 
zahlen für die Bewegungen des allgemeinen Preisniveaus haben, so daß 
etwaige Veränderungen im inneren Wert des Geldes in dem einen oder 
anderen Land eliminiert werden können. Mit Bezug auf England und 
die Vereinigten Staaten habe ich eine solche Untersuchung für die Zeit 
von Anfang 1919 bis Oktober 1924 gemacht?). ‘Es zeigt sich, daß in 
dieser Periode der Dollar abwechselnd überbewertet und unterbewertet 
gewesen ist. Eine Bewertung in Übereinstimmung mit der Kaufkraft- 
parität wird dann mit 100 bezeichnet, eine Überbewertung des Dollars 
mit einer Zahl, die 100 übersteigt, und eine Unterbewertung mit einer 
solchen, die kleiner als 100 ist. Berechnet man nun erst den Durchschnitt 
dieser prozentuellen Bewertung, so ergibt sich eine durchschnittliche 
Überbewertung des Dollars von 0,3% in der ganzen Periode. Diese 
Abweichung von der Kaufkraftparität ist außerordentlich gering und 
hält sich tatsächlich vollständig in den Fehlergrenzen des Zahlen- 
materials. 
Wir kommen also zu dem Ergebnis, daß der Wechselkurs, abge- 
sehen von zufälligen Schwankungen, vollständig mit der berechneten 
Kaufkraftsparität übereinstimmt, m. a. W., daß die neue Gleichgewichts- 
lage des Wechselkurses nur insoweit von der früheren Gleichgewichts- 
lage abweicht, wie es die Veränderung des relativen Geldwertes ver- 
anlaßt. Dies bedeutet, daß die Gleichgewichtslage des Wechselkurses, 
wenn sie auf einen unveränderten relativen Geldwert zurückgeführt 
wird, sich trotz aller wirtschaftlichen Umwälzungen unverändert ge- 
halten hat. Die Erfahrung, die wir nunmehr nach Englands Übergang 
zur Goldwährung gewonnen haben, zeigt, daß dieses Ergebnis seine 
Geltung auch bei einem Vergleich zwischen der Vorkriegszeit und der 
Gegenwart behauptet. Bei wenigstens ungefähr derselben allgemeinen 
Preissteigerung ist die Gleichgewichtslage des Wechselkurses zwischen 
den beiden Ländern jetzt dieselbe wie vor dem Kriege. Die hier aus- 
gesprochene Auffassung, daß Veränderungen in den ökonomischen Be- 
dingungen des internationalen Handels nur einen kleinen Einfluß auf 
die Gleichgewichtslage des Wechselkurses haben, wird durch diese 
Tatsache in auffallender Weise bestätigt. 
Ein näheres Studium der Bewertung des Dollars in Pfund Sterling 
in der Periode 1919—1924 zeigt, daß die Ursache der Abweichungen 
von der Kaufkraftparität, welche die tatsächlichen Wechselkurse aus- 
weisen, wesentlich in internationalen Kapitalbewegungen zu suchen 
ist. Perioden von besonders reichlicher Kreditgebung Amerikas an 
Europa zeigen eine gewisse Unterbewertung des Dollars, während in 
Perioden, wo sich die Amerikaner von der Kreditgebung an Europa ZuU- 
aa ı) Vierteljahrsbericht der Skandinaviska Kreditaktiebolaget April 1925. 
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