Kap. II. Die Tauschwirtschaft.
von Realkapital, von Forderungen, oder ähnlichen Rechten. Sonst
würde ja die Wirtschaft einen Vorrat von materiellem Geld ansammeln
und von dieser Möglichkeit, die in Wirklichkeit keine wesentliche Aus-
nahme vom hier aufgestellten Satz bedeutet ($ 48 am Ende), sehen wir,
wie gesagt, in diesem Buche ab.
Bei der Definition des geldwirtschaftlich aufgefaßten Einkommens
der Einzelwirtschaft ist folgendes zu beachten. Die verschiedenen Geld-
einkünfte, die der Wirtschaft zufließen, können nicht in ihrem Ganzen
als Einkommen betrachtet werden, denn Abzüge müssen gemacht werden
für solche Teile dieser Einkünfte, die in der Wirklichkeit der Wirtschaft
nicht zur Verfügung stehen, sondern als Geschäftsunkosten, Zinsen usw.
an andere bezahlt werden müssen, sowie auch für solche Einkünfte, die
nur ein Kapital darstellen, das schon vorher der Wirtschaft zur Ver-
fügung stand, aber während der Einkommensperiode, z. B. durch Ver-
kauf von Realkapital oder Einkassierung einer Forderung in Geldform
„realisiert‘‘ worden ist. Dem Einkommen der Wirtschaft sind die Geld-
einkünfte derselben offenbar nur in dem Maße zuzurechnen, als sie,
solange sie nicht für die Konsumtion der Wirtschaft verwendet worden
sind, das Kapital der Wirtschaft vermehren. Ferner ist jedes Realein-
kommen, das in der Wirtschaft produziert oder der Wirtschaft ohne
eine entsprechende Geldzahlung von außen zugeführt wird, auch mit
seinem in Geld ausgedrückten Wert in derselben Weise und unter den-
selben Bedingungen wie die Geldeinkünfte dem Einkommen Zzuzu-
rechnen.
In geldwirtschaftlichem Sinne läßt sich demnach das Einkommen
einer Wirtschaft nur definieren als der in Geld ausgedrückte Gesamt-;
wert derjenigen Güter, die für die Konsumtion der Wirtschaft innerhalb‘
einer gewissen Periode in Anspruch genommen worden sind, mit Zu-'
schlag der Kapitalvermehrung der Wirtschaft innerhalb derselben!
Periode bzw. mit Abzug der Kapitalverminderung. Da die Kapital-ı
vermehrung bzw. Kapitalverminderung innerhalb der Periode gleich
der Differenz zwischen den Beträgen des Kapitals am Ende und am An- ı
fang der Periode ist, kann diese Definition auch so formuliert werden:
das Einkommen einer Wirtschaft innerhalb einer bestimmten Periode
ist gleich dem in Geld ausgedrückten Wert des Realverbrauches mit
Zuschlag des Schlußkapitals und mit Abzug des Anfangskapitals. Diese
Definition ist so weit, daß sie auch den Fall mit umfaßt, daß die Kapital-
verminderung größer ist als der Wert des Verbrauches und also das
„Einkommen‘‘ negativ ist. Auch umfaßt sie die Fälle, wo das Kapital
der Wirtschaft negativ ist, z. B. Fälle, wo das Einkommen zum Teil zur
Schuldentilgung verwendet wird,
-Bilden wir jetzt die Summe aller der so definierten Einkommen
in der gesamten Tauschwirtschaft, die wir uns immer als in sich ge-
schlossen denken, und nennen wir diese Summe das Gesamteinkom-
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