$ 8. Kapital und Einkommen in der Geldwirtschaft. i
das gesparte Einkommen ebensowohl wie das verbrauchte vollständig
zum Ankauf der Ergebnisse der Produktion dient. Der Unterschied ist
nur, daß das ersparte Einkommen solche Güter kauft, die Realkapital
darstellen, während das verbrauchte Einkommen Güter für die Kon-'
sumtion kauft. Dieser Unterschied veranlaßt aber nur, daß die Gesamt-
produktion sich in einem bestimmten Verhältnis auf die Herstellung
der beiden verschiedenen Güterkategorien richtet. Das Sparen kann
also an sich nicht den Absatz der Produktion vermindern. Ebenso-
wenig kann man behaupten, daß die Produktion in einer solchen spar-
samen Gesellschaft sich in zu großem Maße der Herstellung von Kapital-
gütern zuwendet. Denn die Produktion hat schlechthin den Wünschen
der Kaufkraft zu folgen. Die Vorstellung, das allgemeine Sparen könnte
nicht ewig fortgesetzt werden, ist auch unrichtig. Sparen in dem Sinne,
in welchem wir das Wort hier verstehen, also eine Entziehung des Geld-
einkommens vom Verbrauch, ist vom konkreten Gesichtspunkt eine
Beschränkung der Bedürfnisbefriedigung zur Ermöglichung einer Kapi-
talbildung im konkreten Sinne. Daß aber eine stetig fortgehende kon-
krete Kapitalbildung nicht nur möglich ist, sondern gerade eine uner-
läßliche Bedingung der stetig fortschreitenden Wirtschaft darstellt,
haben wir im vorigen Kapitel (8 6) bewiesen. Wenn in der Einkommens-
periode etwa eine allgemeine Preissteigerung eintreten würde, beständen
gleichwohl diese Ergebnisse. Denn diese Preissteigerung würde einer-
seits eine Steigerung des Gesamtwerts des Realkapitals und des Grund
und Bodens hervorrufen, anderseits aber auch einen diesem ‚„Wert-
zuwachs‘“ entsprechenden Zuschuß zum Gesamteinkommen bedeuten.
Am klarsten tritt die Bedeutung der stetigen Kapitalbildung in
der gleichmäßig fortschreitenden Wirtschaft zutage. Diese kann hier
etwas allgemeiner als im vorigen Kapitel definiert werden. In der
Geldwirtschaft kann nämlich der wirtschaftliche Fortschritt unter Vor-
aussetzung konstanter Preise durch den Zuwachs des abstrakten Ge-
samtkapitals gemessen und als gleichmäßig betrachtet werden, wenn
dieses Kapital jährlich um einen bestimmten und unveränderlichen
Prozentsatz wächst. Bezeichnen wir dieses Kapital mit K, und nehmen
wir an, daß K jährlich mit p% wächst, wo also p eine Konstante ist.
Dieser Zuwachs des Kapitals ist, wie wir wissen, nur möglich unter
Voraussetzung einer gewissen Sparsamkeit. Bezeichnen wir das jähr-
liche Gesamteinkommen mit E, und nehmen wir an, es sei vom Ge-
samteinkommen jährlich der Teil 1/s, also in absolutem Betrag E/s
gespart. Wir werden diese Quote 1/s, die die Sparsamkeit arithme-
tisch bestimmt, als den „Spargrad‘“ bezeichnen. Offenbar ist nun
E = K. Die jährliche Kapitalbildung wächst also mit demselben
Prozentsatz wie das Gesamtkapital. Eine in dieser Weise unaufhörlich
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