Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 9. Der Inhalt des Problems. J 
übrigen gezogen werden muß. In Übereinstimmung hiermit muß auch 
die ganze Produktion geleitet werden. Wie dies tatsächlich geschieht 
und welche Organisation der Tauschwirtschaft für diesen Zweck er- 
forderlich ist, das sind Fragen, die wir im vorliegenden Kapitel zu 
beantworten haben. 
Die Wirtschaftswissenschaft hat natürlich in erster Linie die wirt- 
schaftlichen Tatsachen, so wie sie im wirklichen Leben hervortreten, 
zu schildern und in ihrem inneren Zusammenhang zu erklären. Das 
wirkliche Wirtschaftsleben bietet aber eine solche Fülle von Details, 
daß ein Überblick erst gewonnen werden kann, wenn man das Typische, 
das Normale unter Abstraktion von Einzelheiten und Abweichungen 
von untergeordneter Bedeutung darzustellen sucht. Es gilt also_hier 
zu zeigen, wie .im Wesentlichen, in den großen Grundzügen das wirt- 
schaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft verwirklicht wird. Die 
Wirtschaftswissenschaft hat aber noch eine andere Aufgabe, nämlich die 
Prüfung der Einrichtungen des wirklichen Wirtschaftslebens auf den 
Grad ihrer Notwendigkeit. /Es soll also hier zunächst eine Tauschwirt- 
schaft untersucht werden, von welcher nur vorausgesetzt wird, daß sie 
die Forderungen des wirtschaftlichen Prinzips, also die gleichmäßige 
Beschränkung der Bedürfnisse und die wirtschaftliche Leitung der Pro- 
duktion, erfüllt. /Es ist natürlich immer ein Vorteil, die Tauschwirtschaft 
zunächst in diesen ihren allgemein gültigen Zügen zu studieren. Da- 
durch wird das Wesentliche in den tatsächlichen wirtschaftlichen Vor- 
gängen in den Vordergrund und in möglichst klare Beleuchtung ge- 
rückt. Vor allem muß man vermeiden, von vornherein solche spezielle 
Voraussetzungen über die Organisation der Tauschwirtschaft einzu- 
führen, die für das wirkliche Wirtschaftsleben auch nicht annähernd 
allgemeine Geltung haben und für die Erfüllung des wirtschaftlichen 
Prinzips ohne wesentliche Bedeutung sind. 
Das vorliegende Problem kann mit Vorteil in zwei verschiedenen 
Stufen behandelt werden. Erstens können wir nämlich unsere Auf- 
merksamkeit auf die Frage, wie in der Tauschwirtschaft eine gleich- 
mäßige Beschränkung der Bedürfnisse erreicht wird, und auf den be- 
grifflichen Inhalt dieser Gleichmäßigkeit richten. Danach müssen wir 
aber auch untersuchen, wie die zur Verfügung stehenden Produktiv- 
kräfte auf die verschiedenen Produktionszweige verteilt werden und 
wie dadurch eine in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen geleitete 
Produktion der Tauschwirtschaft gesichert wird. Diese beiden Fragen 
bilden natürlich nicht zwei getrennte Probleme, sondern nur verschie- 
dene Seiten eines und desselben Problems, nämlich die mit Hinsicht auf 
die gegebenen Bedürfnisse wirtschaftlichste Anwendung der Produktiv- 
kräfte- Wenn wir die Untersuchung dieses Problems zunächst auf die 
Frage, wie die Bedürfnisse geregelt werden, beschränken, ist dies damit 
gleichbedeutend, daß wir die Regulierung der Bedürfnisse zunächst 
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