56 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft.
unter der vereinfachenden Voraussetzung einer gegebenen unver-
änderlichen Produktion, also unter der Voraussetzung, daß die Mengen
der der Bedürfnisbefriedigung in jedem Zeitabschnitt zur Verfügung
stehenden fertigen Genußgüter im voraus fixiert sind, studieren. Wenn
wir diese Voraussetzung später fallen lassen, haben wir das ganze
Problem der Verwirklichung des wirtschaftlichen Prinzips in der Tausch-
wirtschaft vor uns.
In dieser Ordnung soll das Problem im folgenden in Angriff ge-
nommen werden.
$ 10. Die Beschränkung der Bedürfnisse. Fallder Kollektiv-
bedürfnisse.
Mit dem Gelde, das die Einzelwirtschaften für ihre Bedürfnisbefrie-
digung auszugeben bereit sind, stellen sie gewisse Ansprüche an die
Güterversorgung der gesamten Tauschwirtschaft. Da diese Güterver-
sorgung immer im Zeichen der Knappheit steht, müssen die Ansprüche
irgendwie begrenzt werden, d. h. es müssen gewisse Ansprüche von der
Befriedigung ausgeschlossen werden. Dies geschieht durch die Preis-
bildung. Bei der Begrenzung der Geldmittel, die für Verbrauchszwecke
ausgegeben werden dürfen, bedeutet die Notwendigkeit, bestimmte
Preise für die verschiedenen Güter ‚zu bezahlen, eine Begrenzung der
Ansprüche, die auf die Versorgung der Einzelwirtschaften mit ver-
schiedenen Gütern gestellt werden. Die Preisbildung hat also
die sozialökonomische Aufgabe, die Ansprüche auf Güter
so weit zu beschränken, daß sie mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln befriedigt werden können.
- Indessen findet man bei näherer Betrachtung der hier vorliegenden
Aufgabe, daß die Güter in bezug auf die Möglichkeit, die Ansprüche
auf sie durch Feststellung von Preisen zu begrenzen, sich sehr ver-
schieden verhalten. Oft können die Ansprüche auf die Güterversorgung
durch Ausschließung gewisser individueller Ansprüche vermindert
werden. Dies ist z. B. der Fall für alle Verbrauchsgüter, die der un-
mittelbaren Bedürfnisbefriedigung dienen, überhaupt, wie man leicht
sieht, für alle Güter, die von dem einzelnen Konsumenten in exklusiver
Weise in Anspruch genommen werden. Wenn z. B. der Verbrauch der
Kartoffel in den Einzelwirtschaften vermindert wird, ist auch der An-
spruch, den die‘ Gesamtwirtschaft auf ihre Versorgung mit Kartoffeln
stellt, entsprechend beschränkt. Es gibt aber auch große wichtige
Klassen von Gütern, für welche dies nicht zutrifft.
Dahin gehören vor allem die dauerhaften Güter, die gleichzeitig
von mehreren Personen gebraucht werden können. Wenn man die ein-
zelne Person, z. B. vom Gebrauch einer Brücke ausschließt, so werden