Full text: Theoretische Sozialökonomie

64 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
Kategorie vorhanden sind, aber alle von etwas verschiedener Beschaffen- 
heit, wie z. B. Villen in einer Villenstadt, müssen die Preise ebenfalls so 
gestellt werden, daß jedes Haus nur einen Käufer findet. 
Mit Bezug auf diejenigen Güter, die in Massen so gleichförmig her- 
gestellt werden, daß ein Exemplar ein anderes vertreten kann, stellt sich 
das Problem der Preisbildung etwas verschieden. In der Regel wird 
für jede solche Ware ein einheitlicher Preis bestimmt, dies vornehmlich 
aus dem Grunde, weil es schwierig, wenn nicht unmöglich ist, einen 
Unterschied zwischen den verschiedenen Käufern zu machen und die 
Ware dem einen billiger, dem anderen teuerer zu verkaufen. Jedoch 
finden wir auch Ausnahmen von dieser Regel, indem die Verkäufer sich 
bemühen, den reicheren Käufern, wenn möglich, einen höheren Preis ab- 
zufordern. In der Ärztepraxis z. B. ist die Gewohnheit vorherrschend, 
die reicheren Patienten mehr bezahlen zu lassen, und nicht selten kom- 
men nach der wirtschaftlichen Lage der Patienten mehrfach abgestufte 
Taxen vor. Aber auch für vollständig gleichmäßige Massenartikel findet 
man Versuche zu solchen Preisabstufungen. So z. B. ist der aufgedruckte 
Preis eines Stücks einer gewissen englischen Seife 6 Pence und die Seife 
wird auch zu diesem Preis in den.Läden des Westens Londons an das 
reiche Publikum verkauft, während man in anderen Teilen derselben 
Stadt dieselbe Seife zu einem niedrigeren, verschiedengradig herab- 
gesetzten Preise kaufen kann. Daß ähnliche Preisabstufungen für 
Kleider und Modewaren überall gewöhnlich sind, ist wohlbekannt, aber 
auf diesem Gebiet läßt sich immer einwenden, daß Qualität, Schnitt usw. 
doch etwas verschieden sind, und daß diese Verschiedenheiten den 
Preisunterschied bedingen. Umgekehrt findet man auch zuweilen, daß 
die ärmste Bevölkerung höhere Preise zu bezahlen hat. Solche Erschei- 
nungen sind wohl aber wenigstens in der Hauptsache aus den höheren 
Kosten bei den sehr kleinen Verkäufen, aus den häufigen Verlusten usw. 
zu erklären. 
Meistens stößt aber die Differenzierung des Preises für ein und das- 
selbe Gut auf zu große Schwierigkeiten, weil natürlich alle Käufer in 
der Regel zum billigsten Preise zu kaufen beanspruchen. Die gleich- 
förmige Preisbildung, die für jedes Gut einer bestimmten einheitlichen 
Beschaffenheit auf einem und demselben Platze und unter denselben Ver- 
kehrsbedingungen nur einen Preis hat, ist deshalb die Regel. Sobald 
aber der Gegenstand des Verkaufs Verschiedenheiten irgendwelcher 
Art aufweist, können natürlich auch verschiedene Preise berechnet 
werden. Inwieweit diese Verschiedenheiten in objektiven Verhältnissen 
gegründet sind, oder wirklich auch eine Differenzierung des Preises 
eines einheitlichen Gutes mit enthalten, können wir erst im Zusammen- 
hang mit einer Untersuchung der Produktion beurteilen. Wir lassen 
hier solche Frage beiseite und fassen einen Zustand ins Auge, wo nur
	        
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