$ 11. Die Beschränkung der Bedürfnisse. II. “5
absolut gleichförmige Waren oder Dienste zu einheitlichen Preisen ver-
kauft werden.
Wenn die Preise aller Güter gegeben sind, können wir voraussetzen,
daß alle Faktoren bestimmt sind, von welchen die Einzelwirtschaft aus-
geht, wenn sie über ihren Verbrauch beschließt; die Menge, die die
Einzelwirtschaft für ihre Bedürfnisbefriedigung von jedem einzelnen
Gute in der betrachteten Periode kaufen will, ist dann bestimmt.
Man nennt diese Menge die „Nachfrage‘ der Einzelwirtschaft nach
dem betreffenden Gut. Bildet man für ein bestimmtes fertiges Gut die
Summe der von sämtlichen Einzelwirtschaften nachgefragten Mengen
desselben, erhält man die Gesamtnachfrage des Gutes in der be-
treffenden Tauschwirtschaft, Diese Gesamtnachfrage muß nun bei
Gleichgewicht innerhalb jeder gegebenen Periode das Gesamtangebot
decken, weil es eben nach dem Prinzip der Knappheit die Aufgabe der
Preisbildung ist, die Nachfrage nach jedem einzelnen Gut genau so viel
zu beschränken, daß das Angebot für die Versorgung der Nachfrage hin-
reicht. Dasselbe muß für jedes der übrigen fertigen Güter zutreffen.
Die Reihe von Bedingungen, die man in dieser Weise-erhält, genügt im
allgemeinen, um das Preisbildungsproblem zu bestimmen. Denn wenn
einmal diese Bedingungen erfüllt sind, muß jede Veränderung eines
Preises die Nachfrage nach den verschiedenen Gütern verändern und
folglich die Übereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage ver-
eiteln. Hiermit ist die Aufgabe, die wir uns in diesem Paragraphen
stellen, prinzipiell erledigt, und wir haben im folgenden nur die Natur
derjenigen Beschränkung der Bedürfnisbefriedigung, die durch die Preis-
bildung durchgeführt wird, näher zu betrachten.
Vorher sei nur bemerkt, daß, wenn man die gesamte Nachfrage
nach fertigen Gütern, die von einer besonderen Einzelwirtschaft aus-
geht, ins Auge faßt, der nach den herrschenden Preisen berechnete Ge-
samtwert dieser Nachfrage der Geldsumme entsprechen muß, die die
Einzelwirtschaft für ihren Verbrauch auszugeben bereit ist. Auch muß
mit Bezug auf fertige Güter die Gesamtnachfrage der ganzen Tausch-
wirtschaft das Gesamtangebot derselben decken und gleich diesem einen
in Geld ausgedrückten Wert repräsentieren, der der gesamten für den
Verbrauch bestimmten Geldsumme gleichkommt.
Die individuelle Nachfrage nach einem Gute ist im allgemeinen von
den Preisen sämtlicher Güter, oder jedenfalls sämtlicher Güter, die für die
betreffende Einzelwirtschaft eine Bedeutung haben, abhängig. So z. B.
ist die Nachfrage eines Lohnarbeiters nach Zeitungen oder anderen rela-
tiven Luxusgegenständen, in gewissen Fällen auch nach Kleidern, von
den Lebensmittelpreisen abhängig. Denn ein gewisser Lebensmittel-
bedarf muß auch bei hohen Lebensmittelpreisen befriedigt werden, und
es bleibt dann nur eine kleinere Summe für andere weniger dringliche
Cassel, Theoret, Sozialökonomie. 4. Aufl.
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