8 11. Die Beschränkung der Bedürfnisse. II. )
gegen Veränderungen der Preise ist offenbar eine notwendige Voraus-
setzung der Stabilität der einmal erreichten Gleichgewichtslage der
Preise.
Es geht aus dem Gesagten hervor, daß es für die Lösung des Preis-
bildungsproblems — in dem Umfange, in welchem es hier vorliegt —
genügt, wenn wir voraussetzen, daß die Nachfrage nach jedem der in
Betracht kommenden Güter bestimmt ist, sobald sämtliche Preise dieser
Güter gegeben.sind.. Weiter brauchen wir nicht für die Preisbildungs-
theorie die Nachfrage zu analysieren. Der Umfang der Nachfrage
bei einer gegebenen Preislage ist eine greifbare Tatsache, die in quanti-
tativer, rein arithmetischer Form vorliegt und in dieser Form unmittel-
bar von der Wirtschaftslehre als Baustein benutzt werden kann. Die
psychologischen Vorgänge, die hinter dieser Tatsache liegen, haben
selbstverständlich für die theoretische Ökonomie ein Interesse, inso-
fern eine Kenntnis derselben zu einer richtigen Beurteilung der Ein-
wirkung der Preise auf die Nachfrage beiträgt; in dem Maße, wie sie
überhaupt klargelegt werden können, werden sie wohl am besten
eben von diesem Gesichtspunkt studiert; ein solches Studium fällt
aber offenbar außerhalb der Domäne der eigentlichen ökonomischen
Theorie,
# Dies ist speziell der sogenannten „Grenznutzentheorie‘ gegen-
über zu betonen. Die erste Einwendung gegen diese vielumstrittene
Theorie ist, daß sie für die Wirtschaftslehre unnötig ist. Die Grenz-
nutzentheorie ist ein Versuch, die Psychologie der Nachfrage in eine
abstrakte mathematische Form hineinzuzwingen. Der „Nutzen“ einer
Bedürfnisbefriedigung wird als arithmetisch schätzbar betrachtet. Wenn
ein Bedürfnis in sukzessiven gleichen Dosen befriedigt wird, steigt
der entsprechende Gesamtnutzen, aber immer langsamer, der letzte Zu-
schuß zum Gesamtnutzen, der „Grenznutzen‘, wird kleiner und
kleiner. Dieser Grenznutzen muß nun bei Gleichgewicht dem für die
letzte Dose der Bedürfnisbefriedigung zu zahlenden Preis entsprechen.
Dies ist die allgemeine Formel, die nach der Auffassung der Grenz-
nutzentheorie jede Wirtschaftsführung beherrscht.
Schätzen wir der Einfachheit halber den Nutzen in Geld, muß der
Nutzen der letzten zur Befriedigung eines Bedürfnisses verwendeten
Einheit eines Gutes, also der Grenznutzen, dem Preise dieser Einheit
gleich sein. Diese Übereinstimmung zwischen Grenznutzen und Preis in
jedem Zweige der Bedürfnisbefriedigung ist nun ein Zeichen dafür,
daß der Gesamtnutzen der für die betreffende Wirtschaft erreichbaren
Bedürfnisbefriedigung sein Maximum erreicht hat. Denn jede Aus-
dehnung der Bedürfnisbefriedigung in einem Zweige würde jetzt einen
Zuwachs an Nutzen herbeiführen, der hinter dem dafür zu zahlenden
Preis zurückbleiben müßte, während das für diesen Zweck verwendete
Geld anderen Zweigen der Bedürfnisbefriedigung entzogen werden und
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