Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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Anteile der verschiedenen Abgabearten 
Finanzjahr an den Gesamteinnahmen in vH an den Besae Sfr rauerem men 
‚ri | ne | oem Si | Be | Getaneen 
ie 24,6 | 42,4 9,6 32,1 | 55,4 12,5 
1914/16. 26,3 | 36,4 9,5 | 36,4 | 505 13,1 
16/6 AR 7,5 34,7. 1 533 20 
167-0 Jane / 31,0 7,4 ss £ su 12,4 
19T 22,0 27,4 6,7 39,1 487 12,0 
1918/10. 23,3 25,8 f 41,8 46.4 11,8 
Wie die vorstehenden Übersichten zeigen, erfuhren die Einnahmen aus indirekten Steuern und aus Ge- 
bühren nach Kriegsbeginn zunächst beträchtliche Rückschläge, während es bei den direkten Steuern gelang, 
einen Kinnahmerückgang zu vermeiden. Die Steuern auf Einkommen und Vermögen konnten jedoch in- 
[olge ihrer zahlreichen Mängel, vornehmlich einer gewissen Überalterung, nur unter großen Schwierig- 
keiten zu einer Haupteinnahmequelle des Staates herangebildet werden, nachdem sie an Bedeutung in der 
Vorkriegszeit stets nach den indirekten Steuern rangiert hatten. Die Schwierigkeiten lagen insbesondere 
in den großen Ungleichheiten, die sich.zwischen den auf Grund von Ertragskatastern normierten Ertrag- 
steuern und der einkommensteuerähnlichen Mobiliarertragsteuer herausgebildet hatten (vgl. S. 96). 
Kine grundlegende Reform war im Augenblick unmöglich. Die Gesetzgebung ging daher über proportionale 
»Kriegszuschläge« und progressiven Ausbau einzelner Tarifteile dazu über, die Lücken des alten Systems 
durch eine Anzahl neuer Steuerformen auszufüllen, die besonders im Kriege neu entstandene Einkommens- 
quellen treffen sollten. Diese Kriegssteuern waren vornehmlich in der zweiten Hälfte des Krieges für die 
Staatskasse von Bedeutung; sie erbrachten bei Kriegsende (Etatjahr 1918/19) 1 206,5 Millionen Lire, d. h. 
mehr als die drei übrigen direkten Steuern zusammen (851,8 Millionen Lire). Unter den letzteren zeigte 
nur die Mobiliarertragsteuer eine gewisse Anpassungsfähigkeit an den erhöhten Staatsbedarf. 
Da somit nur ein kleiner Teil der Gesamtausgaben, keineswegs aber die eigentlichen Kriegskosten, durch 
ordentliche Einnahmen gedeckt werden konnte, mußte Italien schon frühzeitig für die Beschaffung außer- 
ordentlicher Mittel sorgen. Erschwerend fiel dabei ins Gewicht, daß die Finanzlage Italiens schon vor Aus- 
bruch des Weltkrieges durch den Kolonialkrieg in Tripolis und die Verstaatlichung der Eisenbahnen 
angespannt war; allein die Eisenbahnschuld belief sich bei Kriegsbeginn auf 2 929,4 Millionen Lire. Dank 
dem verspäteten Eintritt in den Krieg konnte Italien jedoch seine finanzielle Kriegsbereitschaft durch 
eine »Rüstungsanleihe« verbessern, die noch während der Zeit der Neutralität begeben wurde. 
Die Gesamtausgaben Italiens während der Kriegsjahre fanden, wie nachstehende Übersicht zeigt?), in 
immer steigendem Maße durch Schuldenaufnahme Deckung. 
1914 1915 1916 1917 1918 1915—1918 
in Millionen Dollar Vorkriegskaufkraft ?) 
Einnahmen aus Steuern, Monopolen 
und Betriebsverwaltungen ...... 458 424 402 426 384 1 636 
Schuldenaufnahme. 2..0..00..0000 7 32 507 778. 3010 937 3.232 
Insgesamt .... 490° 931 1.180 1.436 1 321 4 868 
Sieht man die Einnahmen des Jahres 1914 in Höhe von 490 Millionen Dollar Vorkriegskaufkraft als 
diejenigen an, die zur Deckung des Bedarfs eines Normaljahres erforderlich waren, so ergeben sich nach 
Abzug dieses Normalbedarfs vom Gesamtbedarf der einzelnen Kriegsjahre als reine Kriegskosten die {fol- 
genden Summen (in Millionen Dollar Vorkriegskaufkraft): 
1915 1916 1917 1918 1915—1918 
441 690 946 831 2.908 
Hieraus ergibt sich, daß nicht nur die Kriegskosten, sondern auch ein Teil der »Normalausgaben« 
während der Kriegszeit (1915—1918) durch Schuldenaufnahme finanziert worden sind. 
Zeigte schon das Vorwiegen außerordentlicher Deckungsmittel eine stärkere Anlehnung an das 
französische als an das englische Vorbild, so prägte sich diese Tendenz in der Wahl der Schulden- 
gattungen und der starken Aufnahme unfundierter Schulden in noch höherem Maße aus. Wenn 
*) Nach einer Berechnung von Fisk, a.a. 0. 
*) Von Fisk, a. a. O., über den Großhandelsindex umgerechnet.
	        
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