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Die Berechnungen beanspruchen jedoch keineswegs, eine nun an Stelle der Etatzahlen anwend-
bare Vergleichsgrundlage zu liefern; es genügt, auf die außerordentlichen Schwankungen in den Ergeb-
nissen der verschiedenen Methoden aufmerksam zu machen. Die Grundlagen der angestellten Berech-
nungen sind ebenfalls sehr unsicher; ihre hauptsächlichsten Fehler seien kurz angeführt:
Bei den drei Methoden der fiktiven Berechnung wird der Gesamtpersonalbestand mit einer Durchschnitts-
ziffer multipliziert, in der die in den einzelnen Ländern bestehenden Abweichungen der Besoldungshöhe
und des zahlenmäßigen Verhältnisses der militärischen Dienstgrade zueinander nicht zum Ausdrucke
kommen. Der Versuch, diesen Fehler dadurch zu mildern, daß man die fiktiven Ausgaben für die ver-
schiedenen Dienstgrade besonders errechnet, scheiterte an der Unmöglichkeit, die Besoldungsbeträge
der Offiziere, Unteroffiziere und Kapitulanten in den einzelnen Etats in der erforderlichen Vollständig-
keit festzustellen.
Bei der Berechnung auf Grund des Durchschnittssoldes bleiben die nach dem Ausscheiden aus dem
Dienste gewährten Pensionen sowie die sonstigen Personalbezüge unberücksichtigt. Bei einem Söldner-
heere spielen aber die Pensionen und die sonstigen Bezüge eine wesentlich größere Rolle als bei einem
auf allgemeiner Wehrpflicht beruhenden Heere. Es wurde daher versucht, auch diese aus der Verschieden-
heit der Wehrverfassungen resultierenden Schwierigkeiten für einen internationalen Vergleich auszu-
schalten. Zu diesem Zwecke wurde bei der zweiten Berechnung zum Ausgangspunkt des fiktiven Ver-
gleichs nicht die Besoldungshöhe gewählt, sondern die je Kopf berechneten Personalausgaben, in denen
die Ausgaben für Pensionen und sonstige Bezüge neben der Besoldung enthalten sind. Die auf diesem
Wege errechneten Vergleichszahlen beruhen jedoch insofern auf einer sehr unsicheren Grundlage, als die
Aussonderung der Ausgaben für den persönlichen Bedarf in den verschiedenen Etats nicht durchweg
einheitlich möglich war. Der Hauptfehler dieser beiden Methoden besteht jedoch darin, daß der in den
Vergleichsländern verschiedene Lebensstandard dabei nicht berücksichtigt worden ist. Wenn man die
Soldzahlungen Großbritanniens beispielsweise auf italienische Verhältnisse anwendet, so muß ein solches
Verfahren zwangläufig zu schiefen Resultaten führen.
Um diesen Fehler auszuschalten, wurde schließlich zur dritten Methode gegriffen, bei welcher die
Soldsumme je Kopf durch den Lohn eines ungelernten Arbeiters, errechnet aus dem Durchschnitt der
hauptsächlichen Arbeiterkategorien in dem betreffenden Lande, ersetzt wurde. Dieser Lohn liegt in
Großbritannien mit 1302 Mark Vorkriegskaufkraft zwischen den je Kopf. errechneten Soldsummen für
das britische Söldnerheer mit 1273 und für die xesamte britische Wehrmacht mit 1 427 Mark Vorkriegs-
kaufkraft.
Dieses Verfahren leidet wiederum darunter, daß der Sold des Soldaten und der Durchschnittslohn des
ungelernten Arbeiters insofern inkomparable Größen sind, als der Arbeiter mit seinem Lohne seinen
gesamten Lebensunterhalt bestreitet, während der Soldat Verpflegung und Bekleidung und in den unteren
Dienstgraden gewöhnlich auch Unterkunft frei erhält.
Für den internationalen Vergleich des Rüstungsaufwandes wurden demnach zwei Gruppen von Über-
sichten aufgestellt. Die erste Gruppe (Übersichten 1 bis 7, S.176 bis 180) dient dem Vergleiche der
tatsächlichen, die zweite Gruppe (Übersichten 8 bis 13, S. 180 bis 182) dem Vergleiche der fiktiven
Wehrmachtausgaben.
Erste Gruppe.
Die Übersichten 1 und 2, S. 176, enthalten eine Zusammenstellung der erweiterten. Wehrmacht-
ausgaben vor und nach dem Kriege. Hierunter ist die Summe aller Ausgaben für die Landesverteidigung,
für das Kolonialheer, für die Gendarmerie und für die Rheinlandbesatzung zu verstehen. Neben den
absoluten Werten für diese Ausgaben ist fin den Übersichten ihr Anteil an den gesamten Staats-
ausgaben und an den gesamten Ausgaben für die eigentliche Staatsverwaltung in einem Hundertsatze
angegeben. Die wenigen Posten der Wehrmachtausgaben, die nicht zu den eigentlichen Verwaltungs-
ausgaben gehören, wurden für diesen Vergleich nicht besonders abgesetzt, da sie das Gesamtbild nicht
wesentlich verändern. Durch das Hervortreten der außerordentlich hohen Lasten des Schuldendienstes
ist der Anteil der Wehrmachtausgaben an den gesamten Staatsausgaben nach dem Kriege in allen vier
Ländern gegenüber der Vorkriegszeit erheblich gesunken. Am stärksten ist der Rückgang in Frank-
reich; unmittelbar dahinter folgt Großbritannien; relativ am wenigsten haben sich anteilmäßig die
italienischen Wehrmachtausgaben verringert. Im Verhältnisse zu den Gesamtausgaben sind im Nach-
kriegsetat die italienischen Wehrmachtausgaben am höchsten, die belgischen am niedrigsten. Bei Groß-
britannien und Frankreich sind die Anteile annähernd gleich, 18,3 bzw. 17,4 vH gegenüber 44,7 bzw.
46 vH in der Vorkriegszeit. Bemerkenswert hoch erscheinen die- Rüstungsausgaben im Vergleiche zu
den gesamten Verwaltungsausgaben, besonders bei Großbritannien. Im ganzen lassen diese Verhältnis-
zahlen bei den starken internationalen und zeitlichen Unterschieden in der Gestaltung der gesamten
Staatsausgaben die Entwicklung der Rüstungsausgaben nicht deutlich hervortreten.