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Übersicht 12.
Anteil der einzelnen Sehuldenarten an der gesamten inneren Staatsschuld in vH.
Großbritannien Frankreich Belgien Italien
Art der Schuld Se Ds. AZ ME
31. 3. 12/31. 3. 19/31. 3. 25/1. 8. 14/31. 3. 1811. 1. 25]1. 1. 18/1. 1. 25/30.6.13')|31.12. 18/80. 6. 26
I. Fundierte
Schuld ...... . 96.98 76,96 88,45 | 94,74 | 54,73 | 68,75, 192,19 | 68,011 94,57 60,81 69,65
II. Schwebende ;
Schuld... 1,13 IZ73 7,68 4,68 | 30,47 | 23,12 7,81 | 15,36 2,59 21,89 20,26
III. Zahlungsmittel- | |
schuld ....... 1,89 5,31 2,87 0,58 14,78 as. 16,63 2,84 17,30 10,09
IV. Die Auslandschulden.
a. Gesamtbild,
Als Auslandschulden werden hier alle diejenigen Anleihen (bzw. Kredite) behandelt, bei deren Auf-
nahme die Absicht der vollständigen Begebung im Auslande vorlag. Nicht eingerechnet sind dement-
sprechend Tranchen von Inlandanleihen, die im Auslande gezeichnet wurden (wie beispielsweise bei den
iranzösischen Kriegsanleihen); ebensowenig werden als Auslandschulden im Sinne der nachstehenden
Ausführungen diejenigen Teile inländischer Anleihen angesehen, die im internationalen Geldmarkt- und
Effektenverkehr aus dem Inlande herausgegangen und Kigentum von im Auslande wohnhaften Personen
geworden sind. Anderseits bleibt bei den im Auslande aufgelegten Anleihen unberücksichtigt, ob Teile
— durch Beteiligung an der Zeichnung oder auf dem Wege des späteren Rückkaufs — Eigentum von
im Inlande wohnhaften Personen geworden sind.
In der Vorkriegszeit haben die Vergleichsländer eine Auslandschuld in dem eben definierten Sinne
nicht gehabt. Nur Belgien hat 1914 kurz vor Kriegsausbruch in England eine 3proz. Sterlinganleihe im
Betrage von 12 Millionen £ aufgenommen. In dem der Bearbeitung zugrunde gelegten belgischen Etat
für 1913 erscheint diese Anleihe jedoch noch nicht.
Von der inneren auf Lire lautenden Staatsschuld Italiens befand sich ein nicht unbeträchtlicher Teil
im Auslande. Der genaue Betrag dieser im Auslande befindlichen Werte ist nicht feststellbar; da aber
im Rechnungsjahre 1913/14 die im italienischen Etat eingestellten Posten, die für Bezahlung von Zinsen,
Prämien und Amortisation von Staatsanleihen im Auslande vorgesehen waren, mit 94,9 Millionen Lire
17,7 vH des gesamten Schuldendienstes (536,4 Millionen Lire) ausmachten?), dürften die ihnen ent-
sprechenden Anleihebeträge sich um 2 Milliarden Lire bewegt haben. In der Kriegszeit verringerte
sich dieser Anteil des Auslandes derart, daß Ende 1918 nur noch 0,5 vH. des italienischen Schuldendienstes
auf ausländischen Anleihedienst entfielen.
Bei den drei übrigen Ländern sind nennenswerte Beträge der inländischen Staatsschuld nicht in Händen
des Auslandes gewesen.
Die Tatsache, daß Großbritannien und Frankreich in. der Vorkriegszeit keine Auslandschulden hatten,
entsprach der Gläubigerstellung dieser Länder in der Weltwirtschaft.
Die Kriegsjahre und auch die ersten Nachkriegsjahre haben diese Situation entscheidend ver-
schoben. Der Materialbedarf Europas, der durch die Kriegführung und den Wiederaufbau hervorgerufen
war, konnte ohne Kreditunterstützung seitens der überseeischen Länder, namentlich der Vereinigten
Staaten, nicht finanziert werden. Dadurch wurde Europa -und vor allem Westeuropa, vor dem Kriege
die Gläubigerzentrale der Welt, in die Stellung eines Schuldners gedrängt.
Schuldner wurden ‚hierbei vor allem die europäischen Staaten, da der Bedarf für den Krieg und den
Wiederaufbau überwiegend von ihnen ausging.
N Hn. En allgemeine europäische Entwicklung zur Auslandverschuldung und namentlich zur staatlichen
) Hat schuld sich in Großbritannien, F rankreich, Belgien und Italien besonders stark ausgeprägt hat,
erklärt sich aus dem Alliiertenverhältnis der vier Staaten untereinander und dem Assoziiertenverhältnis
zu den Vereinigten Staaten sowie aus der finanziellen Ausgestaltung dieser doppelten politischen Bindung.
*) Ohne Berücksichtigung der im Besitzo des Staates befindlichen Sehuldtitel
?) Annuario Statistico Italiano, 1914, S. 414.