241 —
Diese 51,9 Millionen £ an »sonstigen« Auslandschulden sind der Rest einer ehemals recht erheblichen
Commercial Debt, die Großbritannien während der Kriegsjahre zur Abdeckung seiner Zahlungs-
verpflichtungen im Auslande aufgenommen hatte, Die beigefügte Übersicht über die Entwicklung der
Auslandschulden 1919 bis 1926 zeigt deutlich, in welch beträchtlichem Umfange Großbritannien in den
ersten Nachkriegsjahren seine Auslandverschuldung bereinigte und wie die schnelle Tilgung der
Commereial Debt den Weg für die 1922 erfolgte Fundierung der Political Debt freimachte.
Von den Auslandschulden lauten die drei in den Straits Settlements aufgenommenen Anleihen und die
drei aus der Übernahme der Golddepots entstandenen Verpflichtungen auf Pfund Sterling, die übrigen
auf amerikanische Dollars,
Gegliedert nach interalliierten und sonstigen Schulden (Political Debt und Commercial Debt) zeigt
Großbritanniens Auslandschuld in den letzten Jahren folgende Veränderungen:
Stand am 31. März Interallüerte Sonstige Insgesamt
in Millionen £
I 954,5 337,9 1 292,4
U 979,2 253,1 1 232,3
21 988,5 143,1 1 132,0
BR 984,0 103,2 1.087,2
1928 vr 1.085,7 71,7 1 157,4
1924 1 072,5 55,1 1 127,6
1925 1 071,5 51,9 1 123,4
LOS ı nr 1.066,5 46,0 1 112,5
Von 1919 bis 1923 konnte die Commercial Debt um 276,2 Millionen $ verringert werden, Von 1923
bis 1926 hat die regelmäßige Tilgungszahlung an die Vereinigten Staaten die Kriegsschulden um
26,9 Millionen £ ermäßigt; im gleichen Zeitraum ist die übrige Auslandschuld um weitere 15,7 Millionen £
vermindert worden.
Im Jahre 1925/26 hat Großbritannien alle fälligen Zinsraten gezahlt. Nur auf die Schuldverpflichtungen
gegenüber der italienischen und der russischen Regierung ist eine Zinszahlung nicht erfolgt. Dagegen
vermerken die Finance Accounts eine Verzinsung der — aus der Überlassung des Golddepots entstandenen —
Verpflichtung gegenüber der französischen Regierung. Dieser Posten ist mit 2,2 Millionen £ beziffert,
die Zahlung ist jedoch nicht effektiv erfolgt, sondern auf die Verzinsung der notleidenden Guthaben
Großbritanniens gegenüber der französischen Regierung verrechnet worden.
Der Zinsendienst beanspruchte im Jahre 1925/26 den Betrag von 36 525 896 £, wovon 31 214 066 £
auf die amerikanischen Kriegsschulden entfallen. Für die Tilgung der Auslandschulden sind nur die
5.202 233 £ eingesetzt, die auf Grund des Fundierungsabkommens mit den Vereinigten Staaten am
15. Dezember 1925 (24 Millionen $) fällig waren. Die übrigen Auslandschulden unterliegen keiner
laufenden Tilgung.
Im Finanzjahre 1925/26 hatte sich der Dienst der Auslandschulden durch das verschwindende Disagio
des Pfundes gegenüber dem Dollar erhöht. Die für den Dienst der Kriegsschuld an die Vereinigten Staaten
geleisteten Zahlungen basieren im Durchschnitt auf einem Disagio von 10 vH (1 £ = 4,417 $).
Bei Umrechnung über den Wechselkurs beträgt die Auslandschuld Großbritanniens am 31. März 1925
1 083,6 Millionen £. Der im Jahre 1925/26 getätigte Zinsendienst macht 3,37 vH, der gesamte Schulden-
dienst 3.85 vH dieser Kapitalschuld aus,
2. Frankreich.
Am 1. Januar 1925 weist Frankreich seine Auslandschuld mit 36 479,5 Millionen Goldfranes aus (die
fremden Währungen sind zur Parität umgerechnet). Davon entfallen auf die Dette Politique (d.h. die
Kriegsvorschüsse der britischen und amerikanischen Regierung) 31 047,8 Millionen fr., auf die Dette
Commereiale (in die die Verpflichtungen aus der Übernahme des britischen und amerikanischen Rücklaß-
materials einbegriffen sind) 5 431,7 Millionen Goldfranes.
In seiner Schuldenübersicht hat Frankreich die Kriegsschuld gegenüber der amerikanischen Regierung
am 30, April 1925 nur mit 2933,2 Millionen $ eingesetzt. Die aufgelaufenen Zinsen, die die Vereinigten
Staaten selbst nach dem Stande vom 15. November 1924 auf rund 800 Millionen $ beziffern, sind un-
berücksichtigt geblieben. Durch diese aufgelaufenen Zinsen erhöht sich Frankreichs Auslandschuld
um mehr als 4 Milliarden Goldfranes über den obigen Betrag.
3]