Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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Während England in den Higher Class Schools und H igher Grade Schools nur vereinzelte Mittelschulen besitzt, 
hat Schottland in den Intermediate Schools (manchmal auch Higher Grade oder Higher Class Schools 
genannt) einen ausgesprochenen Mittelschultyp ausgebildet, dessen Anpassung an die höheren Schulen 
(Secondary Schools) in jeder Weise gefördert wird. In Irland werden die höheren Schulen als Intermediate 
Schools bezeichnet. 
An den höheren Schulen wird, abgesehen von Schottland, im allgemeinen Schulgeld bezahlt. In den 
Internaten Eton und Harrow stieg das Jährliche Schulgeld von 1914 bis 1922 von 150 auf 230 Papier-£. 
1924/25 lag es in den höheren Gemeindeschulen durchschnittlich zwischen 7 £ 13s und 19 £ 9s. 
Für die nicht unterstützten Privatschulen trägt das Kuratorium die finanzielle V erantwortung; die Mittel 
stammen hauptsächlich aus privaten Stiftungen. Die subventionierten Privatschulen erhalten — zum 
Teil unabhängig von den Local Education Authorities — direkte Staatszuschüsse; diese sind im Nachkriegs- 
etat mit 1,2 Millionen £ (0,7 Millionen £ Vorkriegskaufkraft) ausgewiesen; ob der Posten von 0,8 Millionen £ 
im Vorkriegsetat ihnen entspricht, ließ sich nicht sicher feststellen. 
Die Finanzierung der höheren Gemeindeschulen (Secondary Council Schools) liegt bei den Local Education 
Authorities, die ähnlich wie für den Elementarunterricht eine Schulsteuer erheben und staatliche Zuschüsse 
erhalten. Diese Zuschüsse bestanden bis 1921 in der Hauptsache in einer Überweisung aus der Bier- und 
Branntweinsteuer (Whisky Money), wurden aber seitdem durch einen Consolidated Grant abgelöst, der 
mindestens 50 vH der vom Ministerium gebilligten Ausgaben decken soll. Bei der Aufarbeitung des Vorkriegs- 
etats ließen sich die Überweisungen aus dem Whisky Money aus den allgemeinen Überweisungen der 
Finanzverwaltung nicht ausgliedern, sind also in den Unterrichtsausgaben der Übersichten auf S.256£. und in 
den Tabellen im Fünften Teil S. 462{ff. nicht enthalten. Nach Statistical Abstract 1914 betrugen die gesamten 
Zuschüsse für höheren Unterricht 1912/13 in England und Wales rund 2 Millionen £, so daß die Fehler- 
quelle in der Aufarbeitung zwischen 1,5 bis 2 Millionen £ liegt. Der Nachkriegsetat weist, abgesehen von 
den Subventionen an Privatschulen und den Lehrerpensionen, Zuschüsse in Höhe von 4,7 Millionen £ 
(2,8 Millionen £ Vorkriegskaufkraft) aus; ob außerdem noch Beträge aus der allgemeinen Finanzverwaltung 
dem gleichen Zweck zufließen, war nicht festzustellen. 
Für Schottland und Irland läßt sich nur im Vorkriegsetat ein Zuschuß von zusammen 0,3 Mil- 
lionen £ für höheren Unterricht ausgliedern. Der Nachkriegsetat bringt Elementar- und höheres Schulwesen 
gemeinsam. 
Die Ausgaben!) der Local Education Authorities für höheren Unterricht in England und Wales sind 
von 1912/13 bis 1925/26 von 5,2 Millionen £ auf 11,2 Millionen £ (6,6 Millionen £ Vorkriegskaufkraft) 
gestiegen. 
Die gesamten Unterrichtsausgaben des Staates (einschließlich Zentralverwaltung) sind nach den bear- 
beiteten Etats von 17,3 auf 48,4 Millionen £ (28,5 Millionen £ Vorkriegskaufkraft), also in Vorkriegskauf- 
kraft um 65 vH gestiegen. Um die Vergleichsmöglichkeit mit dem Vorkriegsetat herzustellen, muß jedoch 
für die Nachkriegszeit die veränderte Stellung Irlands innerhalb des Gesamtetats berücksichtigt werden, 
Die irischen Unterrichtsausgaben betrugen im Vorkriegsetat rund 10 yH der Ausgaben für England und 
Schottland, so daß der N. achkriegsetat — bei dem fast völligen Ausfall auch Nordirlands — eine Fehler- 
quelle in etwa gleicher Höhe enthält. Berücksichtigt man Irland im Nachkriegsetat mit dem gleichen 
Prozentsatze wie im Vorkriegsetat, so ergibt sich eine Steigerung der Unterrichtsausgaben von 8S0—85 vH. 
Die etatmäßigen Ausgaben je Kopf der Bevölkerung sind von 7,6 auf 13 s Vorkriegskaufkraft gestiegen, 
Für die gesamten Unterrichtsausgaben von Staat und Gemeinden nennt der Geddes-Report für 
1921/22 eine Ziffer von rund 100 Millionen £. Für 1925/26 deuten die Staatsausgaben, durch die nach 
der Regelung von 1918 mindestens die Hälfte der gesamten Schulausgaben gedeckt werden soll, mit 
48,4 Millionen £ auf einen ähnlichen Gesamtbetrag. Auch die Ausgaben der Local Education Authorities, 
in denen außer den eigenen Aufwendungen der Gemeinden der größte Teil der Staatsausgaben wieder 
erscheint, weisen mit 68,7 Millionen £ (Originalziffern) für England und Wales in gleiche Richtung. 
2, Frankreich. 
Elementarunterricht. 
En en BE ber Sih ursprünglich Sache der Gemeinden. Nachdem 
WE re N a en Teil der Kosten für den Elementarunterricht übernommen 
AT: N | täger anzusehen, obgleich in finanzieller Hinsicht immer noch 
eine starke Aufgabenteilung zwischen Staat und Gemeinden besteht. Der Normaltyp der Elementar- 
schule ist die siebenklassige Ecole Primaire Elömentaire mit angegliederten Kleinkinderklassen (Classes 
Enfantines); daneben bestehen eigentliche Kleinkinderschulen (Eeoles Maternelles) für das vorschul- 
pflichtige Alter sowie Nachhilfeklassen, Hilfsschulen, Förderklassen, Freiluftschulen und sonstige 
*) Vorkriegsangaben nach Statistical Abstract 1914, Nachkriegsziffern nach Municipal Year-Book, a. a, 0., 1926 
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