Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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In gleicher Weise wurde durch das Gesetz vom 10. August 1920 das Institut de Ceramique geschaffen, 
das mit der keramischen Abteilung der staatlichen Fachschule in Vierzon und mit der Ecole Nationale de 
Ceramique in Sevres Hand in Hand arbeitet. 
Für die Lederindustrie wurde in Lyon 1889 unter engem Anschlusse an die Universität eine Gerberei- 
spezialschule errichtet. 
Das in neuerer Zeit besonders starke Bedürfnis nach einer geregelten Fachausbildung für die Konserven- 
industrie hat im Jahre 1923 zur Gründung einer besonderen Fachschule durch die Federation des Syndicats 
de Conserves Alimentaires und die Societe d’H ygiene Alimentaire geführt. 
Der im Jahre 1921 abgehaltene Müllereikongreß hat sich besonders für die Schaffung einer Müllerei- 
fachschule eingesetzt. 
Für die Papierindustrie besteht seit dem Jahre 1907 eine besondere Fachschule unter dem Protektorat 
der Vereinigung der Papierfabrikanten, die der Universität Grenoble angegliedert und seit 1922 staatlich 
anerkannt ist. 
Die Schaffung einer Spezialschule für die Holz- und Zelluloseindustrie wurde 1924 von den beteiligten 
Interessenten im Verein mit der Handelskammer von Landes geplant. 
Ferner wird.die Schaffung einer Fachschule für das Buchgewerbe einschließlich des graphischen Gewerbes 
angestrebt, 
Die Textilindustrie, die ja für Frankreich von besonders großer Bedeutung ist, krankt ebenfalls an der 
Schwierigkeit der Beschaffung des Arbeiternachwuchses. Auch auf diesem Gebiete ist Frankreich noch 
weitgehend auf die Fachschulen des Auslandes angewiesen. Es sind jedoch mehrere Gründungspläne in 
Arbeit, so besonders der Plan für eine Tuchmacherhochschule in Elbeuf. Diese Schule soll sich in ihrem 
Aufbau an die bereits bestehenden Textilfachschulen in Epinal und Mülhausen sowie die Wollkämmerei- 
fachschulen in Verviers und Roubaix anlehnen. Die Hochschule soll in erster Linie dazu dienen, leitende 
Beamte für die Textilindustrie auszubilden, daneben aber auch tüchtige Werkmeister und Qualitätsarbeiter. 
In der Begründung des Erweiterungsprogramms wird ferner auf die Notwendigkeit des weiteren Aus- 
baues der Chemiefachschulen hingewiesen. Das Unterstaatssekretariat für Fachschulwesen hat in Er- 
kenntnis der Bedeutung der Chemischen Industrie {für Frankreich seine finanzielle Hilfe dem Institut 
Chimique in Rouen, einer staatlicherseits anerkannten Fachschule, zugesagt. Es ist bereit, diese finanzielle 
Hilfe auf weitere Chemiefachschulen auszudehnen. 
Auch für die photographische Industrie wird die Schaffung einer Spezialschule für notwendig erachtet. 
Frankreich besitzt ferner seit 1923/24 ein Fachinstitut, das der Technical School in Glasgow entspricht. 
In diesem Institut sollen Ingenieurs Sanitaires ausgebildet werden, von deren Betätigung man sich Vorteile 
für die französische Hotel- und Fremdenindustrie. verspricht. 
3. Sonstiger Fachunterricht. 
Für das übrige Fachschulwesen wurden in Frankreich nach den beiden bearbeiteten Vorschlägen vor- 
gesehen: 
1925 
{914 Original- Vorkriegs- 
ziffern kaufkraft 
in 1000 fr. 
Staatliche Schule für dekorative Künste .........:::- 153 443 99 
Staatliche Kunstschulen. ++... +++ 0+04 44 een 239 1.117 248 
Zuschüsse an Gemeinde- und Departemental-Kunstschulen 355 994 221 
Architekturfachschule ........++.+++.1.+00+0000 0120 30 — — 
Frauenschulen‘ ++. .44 +00 Henna n nee 250 1 950 433 
Fachschule für Wege- und Brückenbau ..........--+“ 319 570 127 
Navigationsschulen .......++.:«++1210+0+% 111001000 274 991 220 
A A 90 20 
Insgesamt .... 1620 6 155 1 368 
Besondere Bedeutung hat davon die Fachschule für Wege- und Brückenbau in Paris, die vorwiegend 
das technische Personal des Ministeriums für öffentliche Arbeiten in mustergültiger Weise heranbildet. 
Ihre Schülerzahl belief sich 1914 auf 433, 1924 auf 584. 
Die Frauenschulen haben bereits in dem im Abschnitt »Handels- und Gewerbeschulen« behandelten 
Erweiterungsprogramm für den technischen Unterricht Erwähnung gefunden. Nach der Etatbegründung 
für 1925 will Frankreich sich dieses modernen Unterrichtszweiges trotz der bestehenden finanziellen 
Hemmungen mit großer Sorgfalt annehmen. Als mustergültig werden dabei die Frauenschulen in der 
Schweiz und in Belgien hingestellt.
	        
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