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staatlichen Gebäuden als auch Zuschüsse zu den von den Gemeinden ausgeführten Notstandsarbeiten
vor. Die Gemeinden müssen ihre Pläne vom Ministerium genehmigen lassen und ihre Arbeiter vom
Arbeitsnachweis oder der Armenverwaltung (Board of Guardians) beziehen und in gewissem Umfange
{rühere Heeresangehörige bevorzugen. Die Zuschüsse werden gegeben vom Transportministerium für
Straßen- und Brückenbau, vom Landwirtschaftsministerium für Bewässerungs- und Drainagearbeiten
und von einem 1920 gebildeten Unemployment Grants Committee für öffentliche Arbeiten wie Kanalisation,
Wasser- und Elektrizitätsversorgung u.ä. Werden Arbeiten der letzteren Art von gemeinnützigen
Unternehmungen (Public Utility Companies) ausgeführt, so erhalten diese die Zuschüsse. Der Staat
oeteiligt sich sowohl an den Lohnausgaben wie an den Zinslasten der für die produktive Erwerbsloscn-
fürsorge aufgenommenen Anleihen, Die im Etat ausgeworfenen Summen sind infolge der steigenden
Arbeitslosigkeit im Nachtragsetat durch einen Betrag von rund 120000 £ ergänzt worden.
Der Empire Settlement Act von 1922 stellt auch die Siedlungspolitik bewußt in den Dienst der
Erwerbslosenfürsorge (vgl. Übersicht S. 302). Es handelt sich in erster Linie um die Ansiedlung von
Farmern in den Dominions. Die Verwaltung liegt in Zusammenarbeit mit den Dominions beim Colontal
Office (seit Juli 1925 beim Dominion Office) und dem Oversea Settlement Committee, in dem auch das
Arbeitsministerium vertreten ist. Leiter des Oversea Settlement Committee ist neuerdings der Unterstaats-
sekretär des Dominion Office. Die Arbeitsnachweise übernehmen die Stellenvermittlung und Auswanderer-
beratung und erhalten zu diesem Zweck besondere staatliche Mittel. Frühere Heeresangehörige haben
freie Überfahrt, anderen Siedlern gewähren die Dominions Überfahrtzuschüsse. Nach Vereinbarung der
Siedlungspläne erhalten die Dominions Zuschüsse des Mutterlandes, und zwar trägt dieses in der Regel ein
Drittel der Zinslast der von den Dominions aufgenommenen Siedlungsanleihen sowie einen Teil der Aus-
bildungskosten der Siedler und eventueller Kreditverluste aus Siedlervorschüssen. Daneben erhalten
private Siedler und Siedlungsgesellschaften, insbesondere die auch auf diesem Gebiete tätige Heilsarmee.
Staatszuschüsse. Die Hauptsiedlungsgebiete sind Australien, Neuseeland und Canada.
Die Bedeutung der Arbeitslosenausgaben innerhalb des gesamten Sozialetats geht in Großbritannien
mit 7,4 bzw. 25,6 vH weit über diejenige in‘ den übrigen Ländern hinaus. Die Ausgaben, die sich im
Nachkriegsetat unter Berücksichtigung der Kaufkraftveränderung fast verzehnfacht haben, sind weit
stärker gestiegen als die auf 5. 303 angeführten Arbeitslosenziffern; allerdings spiegeln letztere infolge
der Nichterfassung der unorganisierten Arbeiter nur die Tendenz, nicht das genaue Ausmaß der Arbeits-
losigkeit wieder. Vor allem bedingt aber die permanente Krise des Arbeitsmarktes in der Nachkriegszeit
eine durchschnittlich längere Stellenlosigkeit des einzelnen Arbeitslosen, und somit relativ viel höhere
finanzielle Anforderungen an die Öffentlichkeit als früher.
ec. Frankreich,
Staatsausgaben zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
1914 1925
Original- Vorkriegs-
ziffern kaufkraft
in 1000 fr.
Zuschüsse an kommunale und regionale Arbeitsnachweise ..... . = 1533 341
Zuschüsse an private Arbeitslosenkassen ............::°*+**"/ 440 98
Arbeitsnachweis der Berufsvereinigung der Seeleute .......+.0++" . 100 22
Fonds National de: Chömage + 24.0 mn near Z 1.000 222
Insgesamt.... 118 3.073 683
Ein Arbeitslosenproblem im britischen Sinne besteht für Frankreich mit seiner stationären und über-
wiegend kleinbäuerlichen Bevölkerung nicht. Die öffentliche Initiative hat daher viel später und viel
schwächer eingesetzt und zu einer viel geringeren Belastung des Etats wie auch der gesamten Wirtschaft
zeführt. Der allgemeinen Verschärfung der Lage des europäischen Arbeitsmarktes in den Jahren 1924
und 1925 wirkte zudem die {ranzösische Inflationskonjunktur entgegen. Wie wenig die Arbeitslosenfrage
lange Zeit die französische Öffentlichkeit beschäftigt hat, geht z. B. daraus hervor, daß in der Vorkriegs-
zeit überhaupt keine Arbeitslosenstatistik veröffentlicht wurde: in der Nachkriegszeit wird die Zahl der
unerledigten Stellengesuche erfaßt.
Der Arbeitsnachweis war bis zum Kriege wenig organisiert. Die Finanzierung lag hauptsächlich
bei den Gemeinden, doch bestanden und bestehen noch vielfach private Arbeitsnachweise. Seit 1911
vab der Staat geringfügige Zuschüsse zu unentgeltlichen und paritätisch zusammengesetzten Gemeinde-