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Das Zuckersubventionsgesetz verpflichtet die subventionierten Betriebe, dem Parlament alljährlich
Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung vorzulegen*).
Auf die Möglichkeit staatlicher Kreditgarantien für die Zuckerindustrie auf Grund des Trade Facilities Act
wird an anderer Stelle eingegangen?).
Die Zuckersubventionspolitik Großbritanniens hat auch im Freistaat Irland Nachahmung gefunden.
Nach dem Gesetz vom 15. Juli 1925 werden an die Zuckerfabrikanten, die Zuckerrüben irischer Erzeugung
verarbeiten, mit Wirkung vom 1. Oktober 1926 für 10 Jahre in ganz ähnlicher Weise wie in Großbritannien
Subventionen gezahlt?).
Nach Ausschaltung der Zuckersubvention weisen die: Staatsaufwendungen für Ackerbau sowie die-
jenigen für die Landwirtschaft im allgemeinen keine Steigerung mehr auf. Aus den bearbeiteten
Etats konnten folgende Posten ausgesondert werden:
1912/13 1925/26
Original- Vorkriegs-
ziffern kaufkraft
n 1000 ©
Landwirtschaftliche Meliorationen ..............0..00000-
Förderung landwirtschaftlicher Betriebe ...............
Subventionen zur Förderung des Tabakbaues in Irland ..
Subventionen zur Förderung des Flachsbaues ...........
Subvention an landwirtschaftliche Genossenschaften .....
Landwirtschaftliche Ausstellungen ................+.
Insgesamt.... 116 117 €
In der zwischen den beiden Vergleichsjahren liegenden Zeit sind in der britischen Landwirtschaft Ver-
änderungen vor sich gegangen, ohne deren Erwähnung ein derartiger Vergleich unvollkommen wäre. Bald
nach Beginn des Krieges setzte in Großbritannien eine Steigerung der Preise für landwirtschaftliche
Produkte ein, die bis 1921 andauerte und durch die Festsetzung von Mindestpreisen in dem Corn Production
Act (1917) noch gefördert wurde. Nach diesem Gesetz sollten die Mindestpreise je Quarter betragen:
Weizen Hafer
OD 60 8 38 s 6d
1916/19095. 55 » 32 »
1920/08 150.01 45 » 24 »
Für den Fall, daß diese Preise nicht erzielt würden, verpflichtete sich der Staat, bei Weizen die vierfache
und bei Hafer die fünffache Differenz den Landwirten zu ersetzen. Die eigenartige Organisation der
britischen Landwirtschaft, in der das Pachtsystem von jeher vorherrschend war, führte dazu, daß die
1) Wie eigenartige Konsequenzen sich aus der britischen Zuckersubventionspolitik ergeben können, zeigt ein Originalbericht des »Magazins
der Wirtschaft«, 2. Jahrgang, Nr. 4 vom 28. Januar 1926, wonach ein holländisches Großunternehmen der Zuckerindustrie, die Cenirale Siuker
Mij. van Holland, im Sommer 1925 damit begonnen hat, drei seiner Zuckerbetriebe nach England zu verlegen, um so in den Genuß der britischen
Subvention zu gelangen. Ein ähnlicher Fall ist nach demselben Bericht in Irland vorgekommen, wo ein tschechisch-österreichisches Banken-
konsortium die Errichtung einer großen Zuckerfabrik und Raffinerie plant,
Nach einem Eigenbericht der Magdeburgischen Zeitung (Nr. 552 vom 30. Oktober 1926) wurde die größte englische Rohrzuckerraffinerie
Tate & Lyle, Ltd. kürzlich vollständig stillgelegt. Als Grund hierfür wurde neben der Erhöhung der Brennstoffpreise infolge des Kohlenstreiks
und der ausländischen, besonders tschechischen Konkurrenz auch die ungünstige Wirkung der an die britische Rübenzuckerindustrie gezahlten
3Jubvention angegeben. Die mit Hilfe der Subvention hochgezüchteten Rübenzuckerfabriken haben danach auf dem Zuckermarkt eine derartige
Baisse herbeigeführt, daß die erwähnte Rohrzuckerraffinerie nicht mehr rentabel arbeiten kann. Die zunehmende Konkurrenz der durch
lie Subvention gestärkten Rübenzuckerindustrie hat mehrfach zu Protesten der Rohrzuckerinteressenten der britischen Kolonien gegen die
Zubvention Anlaß gegeben. Die Entwicklung der Zuckerindustrie unter dem Einfluß der Subvention kennzeichnet folgende, einem Eigen-
bericht der Deutschen Tageszeitung (Nr. 60 vom 5. Februar 1927) entnommene Übersicht:
Jal Anzahl der Zuckerrüben-
En Rübenzuckerfabriken Anbaufläche in ha
1922 % 3.300
1924 ; 9 200
1925 22 000
1926 51 520
1927 88 000
*) Vgl. 8. 35841.
3) Die Subventionssätze liegen in Irland etwas höher. So beträgt z. B. der Satz für Zucker bei einer Polarisation von über 98° in der
ersten Produktionsperiode 24 s 6 d je cwi.
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