Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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die Garantie bisher auf 42,5 vH des Kxportkreditbetrages beschränkt war, wurde der garantierte 
Prozentsatz nunmehr auf 75 vH erhöht!). Die Frist, innerhalb welcher neue Garantien übernommen 
werden können, wurde bis zum 8. September 1929, die längste Laufzeit der Kredite bis zum 8. Septem- 
ber 1933 verlängert. Auch diese Regelung: trägt vorläufigen Charakter. Die britische Regierung hofft, 
daß die privaten Versicherungsgesellschaften vom Jahre 1929 ab die Exportkreditversicherung selbst 
in die Hand nehmen und somit die staatliche Garantie entbehrlich machen werden. 
Eine für die moderne britische Wirtschaftspolitik charakteristische Neuerscheinung im Nachkriegsetat 
sind ferner die ebenfalls unter dem Zeichen der Außenhandelsförderung stehenden, ziemlich beträchtlichen 
Aufwendungen für Ausstellungen und Messen. Es sind 1925/26 folgende Posten vorgesehen: 
Britische Weltausstellung in Wembley................!........ 142 000 £ 
British: Industries FÜR ern r 66145 
Ankauf ausländischer Fabrikate als Muster für die britische Industrie 1100» 
Internationale Ausstellung für dekorative Kunst in Paris ....... 45500 » 
Ausstellung in Duncdik r... use TEEN 80002 
Mustermesse- {in Mailand 1er nr Ar Ha a en Er 4 000 » 
Büchermesse in. Fioren ner 750 » 
Ausstellungen zur Förderung des Überseehandels ............ 300 » 
Insgesamt .... 240264 £ 
In dem Nachtragsetat für 1925/26 wurde der Betrag für die britische Weltausstellung in Wembley um 
1100 000 £ zur Deckung des entstandenen Fehlbetrages erhöht. 
Mit den bisher behandelten Aufwendungen für das Department of Overseas Trade wie für die Ausfuhr- 
förderung überhaupt sind die Maßnahmen der britischen Regierung zugunsten des Exports noch nicht 
erschöpft. Eine besondere Förderung hat in neuester Zeit der Handel innerhalb des britischen Weltreiches 
erfahren. Auf Veranlassung des Imperial Economic Committee wurde 1926 das Empire Marketing Board. 
geschaffen, das die Aufgabe hat, die Handelsbeziehungen zwischen dem Mutterland einerseits und den 
Kolonien und Dominions andererseits zu fördern. Hierfür wurden in dem Budget für 1926/27 erstmalig 
500 000 £ ausgeworfen, während in den folgenden Finanzjahren dieser Betrag auf eine Million £ erhöht 
werden soll. Das Empire Marketing Board erhält seine Aufträge von dem Imperial Economic Committee. 
Es hat selbst nur beratende Funktionen, indessen ist die Übereinstimmung der Meinungen des Committee 
und des Board dadurch gesichert, daß zwischen diesen beiden Körperschaften eine weitgehende Personal- 
union besteht. Präsident des Board ist der Staatssekretär für die Dominions, Vizepräsident der Unter- 
staatssekretär für die Dominions. Dem Board gehören ferner an: der Finanzsekretär des Schatzamts, 
der parlamentarische Sekretär des Ackerbauministeriums, der Unterstaatssekretär für Schottland, der 
Generalkontrolleur (Comptroller General) als Vertreter des Department of Overseas Trade, ferner zwei 
Vertreter Großbritanniens und je einer für Canada, Australien, Neuseeland, Südafrika, den Irischen 
Freistaat und Indien und ein weiterer für die Kolonien und Protektorate. 
Die Aufgaben des Board erstrecken sich einmal auf die Förderung des Nachrichtenwesens, wodurch 
sowohl der Inlandskonsum von Empireprodukten, als auch der Konsum des Empire an Produkten des 
Mutterlandes gefördert werden soll, und dann auf die wissenschaftliche und ökonomische Forschung. 
Unter der direkten Kontrolle des Board stehen auch die Ausstellungen, soweit der Empirehandel an ihnen 
interessiert ist?). Die durch das Board unterstützte wissenschaftliche Forschung hat eine Reihe von 
Aufgaben zu erfüllen, wie z.B. die wissenschaftliche Untersuchung über die Verschiedenartigkeit der 
Futterverhältnisse auf den Weiden in den verschiedenen Teilen des Weltreichs, für die 10000 £3) zur 
Verfügung gestellt worden sind. Für das Imperial College of Tropical Agriculture, Trinidad, wurden 
21 000 £3) ausgeworfen unter der Bedingung, daß die britischen Baumwollinteressenten einen Betrag in 
gleicher Höhe zur Verfügung stellen. 25 000 £?) sollen zur technischen Förderung von Kühlräumen, 
Kühlvorrichtungen usw. der Low Temperature Research Station, Cambridge, zur Verfügung gestellt werden; 
hierzu kommt noch ein jährlicher Unterhaltungskostenzuschuß für fünf Jahre. Das Imperial Bureau 
of Entomology erhält 15 000 £3) sowie einen jährlichen Unterhaltungskostenzuschuß von 4000 £ für fünf 
Jahre. Dieser Betrag soll in erster Linie der Bekämpfung von Insektenplagen dienen. Er wurde auf 
Grund einer Schätzung bewilligt, nach welcher 10 vH der Welternte jährlich durch Insektenplagen 
zerstört werden, 
*) In diesem Falle hat das Department kein Regreßrecht, gegen den Versicherungsnehmer (die Ausfuhrfirma). Außerdem besteht seit Inkraft- 
treten des Gesetzes von 1921 die Möglichkeit einer 100 prozentigen Garantie durch den Staat, jedoch bleibt diesem dann für den Schadensfall 
das volle Regreßrecht gegen den Exporteur vorbehalten. 
?) So z. B. die kürzlich abgehaltene Grocers’ Exhibition, die Imperial Fruit Show vom 29. Oktober bis 26. November 1926, die British Industries 
Fair vom 21. Februar bis 24. März 1927 und die Zdeal Homes Exhibition vom 1. März bis 26. März 1927, 
3) Aus dem im Etat für 1926/27 vorgesehenen Fonds. 
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