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4. Die Ausgaben auf Grund des Krieges im Jahre 1925.
Die Zugrundelegung des Voranschlags für die Feststellung der Ausgaben auf Grund des Krieges hat mit
drei wichtigen Tatsachen zu rechnen: 1. erscheinen im Voranschlage nicht die Kosten des Wiederaufbaues,
soweit er vom Credit National und den Groupements des Sinistres finanziert wird; 2. können im Voranschlage
nicht die Zahlungen in Rentenschuldverschreibungen an Entschädigungsberechtigte angegeben werden,
da sie sich nach den jeweils gestellten Anträgen richten; 3. sind im Voranschlage nicht enthalten die
Zahlungen der Caisse des Pensions, soweit sie durch Anleiheaufnahme des Instituts selbst finanziert werden.
Die Zahlen zu Punkt 2 sind den Angaben im Sachverständigenbericht 1926 entnommen worden
(120 Millionen fr.), der die wirklichen Ausgaben für 1925 bringt. Die Zahlen zu Punkt 3 entstammen dem
Berichte, den Caillaux bei Errichtung der Pensionskasse erstattete (1,25 Milliarden fr.). Die Beschaffung
von Zahlen zu Punkt 1 stieß auf die größten Schwierigkeiten. Im Etat selbst war der Betrag, den der
Credit National finanzieren sollte, mit der Summe des im Vorjahre wirklich verausgabten Betrages —
3, 2 Milliarden fr. — eingesetzt worden. Das Bekanntwerden der Absicht der Regierung, nur 3,2 Milliarden fr.
als Beitrag zum Wiederaufbau durch den Credit National einzustellen, erregte einen Entrüstungssturm in
den beteiligten Kreisen, der zunächst zur Einsetzung folgender Ziffern führte:
Abtretbare Obligations de la Defense Nationale .................. 1600 Millionen fr.
Nicht abtretbare Obligations de la Defense Nationale ............ 2400 » »
Barzahlungen des Credit National... .,.....0.00+000urs nt ern en en 4,000 » »
Anleihen der Groupements des Sintströs .........0000 00.0000 7u 0. 1000 » »
Insgesamt .... 6000 Millionen fr.
Gesetzlich festgesetzt wurden sodann im Budgetzwölftelgesetz vom 1. März 1925 Aufwendungen in
Form von:
Barzahlungen und abtretbaren Obligations de la Defense Nationale 2600 Millionen fr.
Unveräußerliche Obligations de la Defense Nationale .............. 2000 » »
Anleihen der Groupements des Stimisires 1.0... 4060444400 en nu u um A 000 » »
Insgesamt .... 5600 Millionen {fr.
Auch dieses Programm ist nicht erfüllt worden.
In Wirklichkeit sind 1925 geleistet worden:
Bar und durch Obligations de la Defense Nationale .............. 3900 Millionen fr.
Durch Anleihen der Groupements des Sinistr6s .......0.....04.0.+4+ 360 » »
Insgesamt .... 4260 Millionen fr.
Das Zustandekommen dieser Summe ist kennzeichnend für die Schwierigkeiten, denen sich die Regierung
auch heute noch gegenübersieht, wo es notwendig ist, den restlichen Teil ihrer Verpflichtungen gegenüber
den Wiederaufbaugläubigern zu finanzieren.
Die hauptsächlichsten Hindernisse liegen in der Abneigung der Entschädigungsberechtigten gegen die
Obligations de 1a Defense Nationale wegen des damit verbundenen bedeutenden Kursrisikos und in der
Unmöglichkeit, festverzinsliche Werte in größerem Umfange auf dem Kapitalmarkte zu emittieren.
Da weder der Voranschlag noch die ihm folgenden Programme ein Bild von den wirklichen Leistungen
vermitteln, ist in die Berechnungen der Ausgaben auf Grund des Krieges für 1925 der tatsächlich vom
Credit National und den Groupements des Sinistres gezahlte Betrag von 4,3 Milliarden fr. eingesetzt.
c. Belgien.
1. Vorbemerkung.
Belgien hat den Kreis der Ausgaben, die es als durch den Krieg hervorgerufen ansah, wohl noch weiter
gefaßt als Frankreich. Je weniger aber der von Belgien so bezeichnete Ausgabenkomplex mit den in der
vorliegenden Arbeit als Ausgaben auf Grund des Krieges gefaßten Leistungen übereinstimmt, desto mehr
Vorsicht muß angewandt werden, wenn die zahlenmäßigen Ergebnisse dieser Untersuchung mit belgischen
Angaben zusammengestellt oder durch sie erläutert werden sollen. Eine Übersicht der jährlichen
Leistungen des Staates, aus der man die Entwicklung der einzelnen Ausgaben auf Grund des Krieges
ersehen könnte, fehlt völlig. Die vorhandenen Angaben sind meist summarischer Art und enthalten den
gesamten, bis zu einem gewissen Zeitpunkt verausgabten Betrag in Papierfranes. Die Berechnung sowohl
des gesamten Kriegsschadens wie auch der bisher entstandenen Kosten für seine Behebung stößt somit
auf große Schwierigkeiten.