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Die Stellung Großbritanniens als Weltmacht erklärt den relativ hohen Anteil der Ausgaben für aus-
wärtige Angelegenheiten innerhalb seines Gesamtetats.
Die Ausgaben für die Kolonialverwaltung spielen hauptsächlich im britischen und französischen Etat
eine Rolle, während in Italien die Aufwendungen für die Kolonien vor allem in Form von Über-
weisungen erscheinen. Die Steigerung der Kolonialausgaben in Großbritannien ist neben dem Zuwachs
an Kolonialgebiet insbesondere auf die Zuweisung von Völkerbundsmandaten zurückzuführen.
Auf dem Gebiete des Bildungswesens stehen die Aufwendungen Frankreichs weitaus an erster Stelle.
Die öffentliche Staatsschule ist hier unter dem Gesichtspunkt der Heranbildung eines möglichst hoch
qualifizierten Nachwuchses einheitlich und systematisch ausgebaut. In Belgien und Italien sind die Auf-
gaben zwischen Staat, Kommunen und Privaten weitgehend geteilt, wobei die Elementarschule in der
Hauptsache Gemeinden und Privaten überlassen bleibt, während der Staat auf dem Gebiete des höheren
Schulwesens vielfach eigene Anstalten besitzt. In Großbritannien ist demgegenüber das Schulwesen fast
ausschließlich Aufgabe von Gemeinden und Privaten, so daß unter den Kosten der Staatsverwaltung
im wesentlichen nur die Zentralverwaltung erscheint; es muß jedoch hier wie in Belgien und Italien
auf die beträchtlichen Überweisungen und Subventionen hingewiesen werden.
Der hohe Anteil der Verwaltungskosten auf sozialem Gebiete erklärt sich in Großbritannien gegenüber
den anderen Ländern daraus, daß der Staat nicht nur als Gesetzgeber, sondern in weitem Umfange
als Träger der großen Sozialversicherungs- und Fürsorgezweige auftritt.
In den britischen Verwaltungsaufwendungen für die Wirtschaft wirkt sich in erster Linie die Be-
sonderheit der englischen Selbstverwaltungsorganisation für die öffentlichen Arbeiten aus. Im ganzen
entspricht der liberalen Wirtschaftspolitik Großbritanniens eine geringere staatliche Verwaltungstätigkeit
auf wirtschaftlichem Gebiet als in den kontinentalen Staaten. In Belgien und Italien entfällt der
Hauptanteil der Aufwendungen auf die öffentlichen Arbeiten; während sich in Belgien die Steigerung im
Nachkriegsetat mit der Unmöglichkeit einer exakten Ausgliederung der »Ausgaben auf Grund des
Krieges« erklärt, hängt sie in Italien mit der allgemeinen Aktivität der faseistischen Wirtschaftspolitik
zusammen.
Zweites Kapitel.
Zinsen und Amortisationen.
Staatsausgaben für Zinsen und Amortisationen}).
in vH
der Gesamtstaatsausgaben Nachkriegsetat )
nn in vH des
Vorkriegsetat | Nachkriegsetat Vorkriegsetats
Großbritannien er kr rar ra 16,0 40,1 ; 681,4
nr een re 19,0 / 33,2 316,6
N N Pe 29,9 23,6 173,1
Hallen 23,0 31,7 208,9
Unter den Posten, die nach den oben (S. 36ff.) entwickelten Grundsätzen als Einkommens-
verschiebung anzusehen sind, erscheinen zunächst die Zinsen. Die mit der Kreditaufnahme des
Staates verbundene Einkommensbeanspruchung, d. h. Inanspruchnahme von persönlicher Arbeitsleistung
und sächlichen Produktivmitteln, erfolgt bei der Verwendung des Kapitalbetrages durch den Staat.
So liegt der Staatsaufwand, der dem größten Teil der heutigen Zinszahlungen gegenübersteht, in den
Ausgaben der Kriegszeit und ist damals als eine Inanspruchnahme der Wirtschaft für Staatszwecke auf-
getreten. Wären diese Ausgaben anstatt auf dem Anleihewege durch Steuern gedeckt worden, so wäre
der ganze Vorgang mit der Verwendung dieser Steuern abgeschlossen gewesen. Die Finanzierung durch
Anleihen bedeutet eine Hinausschiebung der endgültigen Lastenverteilung in dem Sinne, daß die erfor-
derlichen Mittel von den Anleihezeichnern der Gesamtheit der vorläufig geschonten Steuerzahler zunächst
1) Ohne den Dienst der auswärtigen Kriegsschulden. Auf diesen entfallen nach den verarbeiteten Nachkriegsetats in vH der Gesamt-
staatsansgaben:
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?) Für die Nachkriegsetats sind die Vorkriegskaufkraftziffern zugrunde gelegt.