Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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Eine Steigerung ist bei den Investierungen für Auswärtige Angelegenheiten sowie für das Kolonial- 
wesen eingetreten. Die Verminderung der Investierungen für Rechtspflege dürfte mit den Sparmaß- 
nahmen aller Länder zusammenhängen. 
Die Gesamtsumme der für Investierungen aufgewandten Beträge ist auch in Frankreich zurück- 
gegangen, und zwar unter Berücksichtigung der Kaufkraftverschiebung noch etwas stärker als in Groß- 
britannien. Mit Ausnahme des militärischen und des privaten Flugwesens sowie des Unterrichtswesens 
haben alle Gebiete einen mehr oder minder erheblichen Rückgang aufzuweisen, der besonders bei dem 
Landheer und der Kriegsmarine ins Auge fällt. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß der als 
Vergleichsgrundlage dienende Etat für 1914 einen Teil der Ausgaben für die damalige Heeresreform 
enthält. Die Steigerung der Investierungen auf dem Gebiete des Unterrichtswesens ist in erster Linie 
auf die Neubauten für Fachschulen zurückzuführen, auf welche in dem Abschnitt »Fachunterricht « 
(S. 275 ff.) näher eingegangen ist. 
In Belgien ist nach dem Etat für 1925 im Gegensatz zu Großbritannien und Frankreich eine Steigerung 
der Staatsinvestierungen um rund 80 vH gegenüber dem bearbeiteten Vorkriegsetat eingetreten. Der 
Rückgang der Heeresinvestierungen ist nicht annähernd so groß wie in Frankreich. Da Belgien keine 
Kriegsmarine hat, fallen die Veränderungen, die sich in Großbritannien und Frankreich gerade bei den 
Investierungen auf diesem Gebiet besonders fühlbar machen, für Belgien vollkommen weg. Die Steigerung 
des Gesamtbetrages wird vor allem durch die Erhöhung der Investierungen für öffentliche Verkehrs- 
einrichtungen hervorgerufen (vgl. Abschnitt »Öffentliche Arbeiten« S. 393). 
In Italien hat sowohl beim Landheer wie besonders bei der Kriegsmarine ein erheblicher Rückgang 
stattgefunden, während das militärische Flugwesen im Gegensatz zu 1913/14 beträchtliche Investierungen, 
und zwar in Höhe von rund 42,5 Millionen Mark Vorkriegskaufkraft, erfordert hat. 
Auffallend ist der Rückgang der Investierungen auf dem Gebiete von Unterricht, Kunst und Wissenschaft. 
Die gesteigerten Investierungen für die Landwirtschaft (vorwiegend Meliorationen) sowie vor allem die 
im Vergleich zu 1913/14 wesentlich höheren Aufwendungen für die Neuanlage öffentlicher Verkehrs- 
einrichtungen (vgl. im einzelnen den Abschnitt „Öffentliche Arbeiten« S. 394 f.) gleichen den Rückgang 
der Investierungen für Zwecke der Landesverteidigung wieder aus. 
Sechstes Kapitel. 
Überweisungen. 
Überweisungen an staatliche Unterverbände. 
in vH Nachkriegsetat !) 
der Gesamtstaatsausgaben in vH des 
»  Vorkriegsetat | Nachkriegsetat | Vorkriegsetats 
I. an Gemeinden und Gemeindeverbände 
Großbritannien ++. - +4 ce 15,5 14,0 245,8 
Frankreich... 2.447 em 1,8 0,6 | 60,1 
Belgien ........00.000000047 6,4 12,3 424,3 
Wale 5,3 6,3 178,7 
II. an Kolonien, Dominien usw. 
Großbritannien ............+- 0,3 0,1 | 136,5 
Frankreich. 2.2. ...00.420 00274 0,6 0,1 26,8 
Belgien ......... 0.040 = 0,3 
Hallen rer nn 71 21 149,2 
Zwischen den Staatsausgaben, die eine Einkommensbeanspruchung und denjenigen, die eine Einkommen- 
verschiebung darstellen, stehen die Überweisungen an die staatlichen Unterverbände. Sie sind zwar auch 
Geldleistungen des Staates, dienen jedoch lediglich zur Verrechnung zwischen den öffentlichen Körper- 
schaften. Was sie volkswirtschaftlich bedeuten, läßt sich nur beurteilen, wenn man die Etats der nach- 
geordneten Verbände auf ihre Ausgaben hin untersucht. Die Überweisungen an die Kolonien werden 
oben im Kapitel » Kolonialwesen « behandelt. Auf die Überweisungen an die Kommunen wird im An- 
hange im Rahmen der Kommunalfinanzen (S. 481 ff.) eingegangen, so daß sich an dieser Stelle eine 
Zusammenfassung erübrigt. 
» Für die Nachkriegsetats sind die Vorkriegskaufkraftziffern zugrunde gelegt,
	        
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